Lustvoller Streifzug durch die Musikgeschichte in Stams

Die Obertöne in Stams wurden eröffnet. Bis Sonntag wird das Stift mit Kammermusik aus allen Dekaden bespielt.

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Nesterovska (Violine) und Mittermayer Nesterovskiy (Fagott).
© Hauser

Von Markus Hauser

Wien – Zum achten Mal gehen aktuell von 15. bis 19. September die Kammermusiktage Obertöne Stams im Bernardisaal des Stiftes über die Bühne. Und es ist ein außergewöhnlich intimes Musikereignis, welches an Salonkonzerte früherer Jahre erinnert. Die inzwischen so bekannten Musikergesichter von Mariya Nesterovska (Violine), Hubert Mittermayer Nesterovskiy (Fagott), Nenad Lecˇić (Klavier), Marcelo Nisinman (Bandoneon), Rafael Bonavita (Barockgitarre), François Guerrier (Cembalo, Orgel), Jan Krigovsky (Kontrabass, Violone), dazu Konzertbesucher, die sich mit Handschlag begrüßen, Toni Innauer, der das Publikum willkommen heißt – alles sehr, sehr vertraut.

Dass sich ein Programm für vier Konzertabende in einer Woche nicht lupenrein erarbeiten lässt und sich klanglich alte und moderne Instrumente mischen, dürfte höchstens Feinspitze irritieren. Weniger Freude bereitet allerdings der Umstand, dass für den künstlerischen Leiter Hubert Mittermayer Nesterovskiy als Fagottisten auf Biegen und Brechen Stücke arrangiert werden. Ein Werk für Geige komponiert, wird mit Fagott interpretiert zwar zum Klangerlebnis, aber nicht zu dem vom Komponisten gewollten. Damit wäre Mittermayer Nesterovskiys Anspruch, den Charakter eines Stückes bzw. eines Komponisten herauszustreichen, auch schon hinfällig. Denn das Bild, welches der Komponist vor Augen hatte, wollte er ganz bewusst mit ganz bestimmten Instrumenten gemalt wissen.

Mit liebenswürdigem Flair gestaltete Nenad Lecˇić das kleine Charakterstück „Valse très lente“ ausdrucksstark, voller Spannung fernab nostalgischer Gefühlsduselei. Von den 555 erhaltenen Sonaten Domenico Scarlattis kredenzte François Guerrier die Sonaten K41 und K79 für Cembalo solo. Er zeigte sich als grundsolider Interpret auf einem idealen Mittelweg zwischen extrovertiertem Ausbruch und tiefer innerer Versenkung. Für die Sonate Nr. 6 in C-Dur für Fagott und Basso continuo des im Orchester G. F. Händels tätigen Johann Ernst Galliard fand Hubert Mittermayer Nesterovskiy definitiv den galanten Duktus. Ausgeklügelte emotionale Schattierungen und Leidenschaft bescherten Robert Schumanns Intermezzo und Johannes Brahms’ Scherzo für Violine und Klavier in stimmiger Partnerschaft von Nenad Lecˇić und Mariya Nesterovska zum Finale des ersten Konzertabends.


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