Algerischer Ex-Präsident Bouteflika gestorben

Massenproteste gegen den autoritären Machthaber hatten nordafrikanisches Land in tiefe Krise gestürzt.

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Der frühere algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika ist im Alter von 84 Jahren gestorben.
© RYAD KRAMDI

Algier – Der frühere algerische Staatschef Abdelaziz Bouteflika ist nach schwerer Krankheit mit 84 Jahren gestorben. Das berichtete das Staatsfernsehen in der Nacht auf Samstag. Die Massenproteste gegen den langjährigen Präsidenten hatten das größte afrikanische Land 2019 in eine tiefe politische Krise gestürzt. Vorher hatte Bouteflika das Land seit 1999 für vier aufeinanderfolgende Amtszeiten regiert und geholfen, es aus seinem „schwarzen Jahrzehnt" des Bürgerkrieges zu führen.

Bouteflika wurde 1999 zum Staatschef gewählt und überstand auch zunächst die Proteste in der arabischen Welt 2011. Im Westen galt er als verlässlicher Partner im Kampf gegen den Terror, in Algerien selbst sollte er das Land nach einem blutigen Jahrzehnt des Bürgerkrieges wieder versöhnen – was ihm mit Hilfe des Militärs und politischer Netzwerke auch zunächst gelang. Sein politisches Geschick hatte ihm zuvor schon in seinen 16 Jahren als Außenminister genutzt.

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Mehr und mehr wurde aber Widerstand gegen Bouteflika laut. In den letzten Jahren seiner Amtszeit trat der nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzende Präsident kaum noch öffentlich in Erscheinung. Mehrfach ließ er sich im Ausland behandeln.

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Als Bouteflika trotzdem ankündigte, im Frühjahr 2019 für eine fünfte Amtszeit kandidieren zu wollen, entlud sich der Zorn in Algerien. Massenproteste mit Millionen Teilnehmern waren die Folge. Die Demonstranten forderten dabei seinen Abschied aus der Regierung. Das Militär entzog ihm schließlich die Unterstützung und Bouteflika trat wenige Tage vor Ende seiner vierten Amtszeit zurück.

Die Proteste in Algerien hielten jedoch an. Im Nachfolger Abdelmadjid Tebboune an der Staatsspitze und der Regierung sehen die Demonstranten die Fortsetzung der alten Machtelite Bouteflikas. Sein Rücktritt ließ jedoch Raum für neue Machtkämpfe: Der jüngere Bruder und Berater des Präsidenten, Said Bouteflika, der vielen Beobachtern als potenzieller Nachfolger galt, wurde ebenso verhaftet wie viele Wirtschaftsbosse algerischer Unternehmen. Die Wirtschaftslage verbesserte sich auch nach dem Abgang Bouteflikas zunächst nicht.

Bouteflikas letzte Jahre als „Phantom"

Nach Meinung politischer Beobachter war das Handeln Bouteflikas von drei großen Leitlinien bestimmt: der Beendigung des Bürgerkriegs, der Beendigung der internationalen Isolation Algeriens sowie der Einschränkung der Macht der Militärs. Von diesen selbstgestellten Aufgaben konnte er zumindest bei den ersten beiden Erfolge erzielen. In dem Bürgerkrieg kamen je nach Schätzungen zwischen 60.000 und 150.000 Menschen um.

Dringend nötige wirtschaftliche Reformen vernachlässigte Bouteflika allerdings, und auch einen demokratischen Wandel – der ab 2011 unter anderem die regionalen Nachbarn Tunesien, Ägypten und Libyen im Zuge des arabischen Aufstände erfasste - ließ Bouteflika nicht zu. Seine letzte Zeit verbrachte Bouteflika so, wie er in den letzten Jahren auch regiert hatte: als „Phantom".

Auch gegen die Regierung des Präsidenten Tebboune, der im Dezember 2019 als Bouteflikas Nachfolger gewählt worden war, kam es wiederholt zu Massenprotesten. Dabei forderten Tausende einen echten politischen Wandel und ein Ende von Korruption und Misswirtschaft. Insgesamt gilt Algerien, das zu den größten Öl- und Gasproduzenten Afrikas zählt, heute aber als verhältnismäßig stabil. (APA, dpa)


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