Tierischer Protestmarsch: Lama-Joe am 400 Kilometer Abschnitt

400 Kilometer hat Joe Thöni mit Lama Gandalf und Alpaka Taifun auf seinem Wolfs-Protestmarsch schon geschafft. Sein Ziel: Wien.

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Immer wieder findet Joe Thöni (l.) Gastgeber, wie Ian, Laurena und Knut Nesensohn (1). Gestartet ist er in Bangs (2), nächstes Ziel ist der südlichste Punkt Österreichs.
© Nesensohn-Laterns, Orgler, Meusburger

Von Matthias Reichle

Landeck – Ein Lama, ein Alpaka, ein Mann mit einer verrückten Idee und eine gewaltige Distanz. Fast 400 Kilometer liegen hinter dem ungewöhnlichen Trupp, der derzeit so manchen Passanten sprachlos zurücklässt. Rund 1000 Kilometer hat er noch vor sich. Nein, Blasen habe er noch keine an den Füßen bekommen, versichert Josef Thöni, den in Landeck alle als Lama-Joe kennen, am Telefon. Einen Sturz und eine Knieverletzung habe er gut überstanden.

Seit Ende August wandert der Landecker mit Lama Gandalf und Alpaka Taifun durch Österreich – nicht zum Spaß. Thöni ist auf einer Mission. Seine Tour, die in Bangs, dem westlichsten Ort Österreichs, gestartet ist, ist eigentlich ein Protestmarsch gegen die Rückkehr der Beutegreifer. Der Lama-Züchter sieht im Wolf eine Gefahr für die Almwirtschaft, die Tiere und den Tourismus. Er hatte mit vielen Streitgesprächen gerechnet – ist aber auf unglaublich viel Solidarität gestoßen. Sonntag ist sein 18. Wandertag. „Ich habe mir bisher acht Äpfel, zwei Tafeln Schokolade, eine Mannerschnitte und eine Fleischkassemmel selbst kaufen müssen“, erzählt er. Das ist keine Extremdiät. „Ich werde hofiert, das glaubst du nicht“, erzählt er begeistert. Auch ohne Geld findet er jeden Tag ein Bett, ein Stück Wiese für seine beiden tierischen Begleiter und jede Menge gutes Essen. „Die Leute, die mich aufnehmen, müssen den gleichen Huscher haben wie ich“, schmunzelt er – im positiven Sinn gemeint. Die perfekte Planung verdankt er auch der Hochgallmiggerin Martha Orgler, die vom Schreibtisch aus alles organisiert und die Wanderung in den sozialen Medien begleitet.

Ein kleiner Nebeneffekt der Tour: Lama-Joe will damit auch einen Rekord brechen – eine Extremwanderung mit Lama und Alpaka, die so wahrscheinlich noch nie gemacht wurde. Und er will ganz Österreich bei dieser Tour ausmessen: den westlichsten, südlichsten, nördlichsten und östlichsten Punkt Österreichs mit dem Finale in Wien. Der große Wunsch wäre, dort den Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen zu treffen.

Jeden Tag rücke er diesem Ziel ein Stück näher („Wir werden vermutlich Mitte November ankommen“): Freitag ließ er die Tiroler Landesgrenze hinter sich. Allein musste Thöni fast nie wandern, täglich findet er Begleiter – bis zu 20 Leute wandern mit. „Bisher ist alles gut gegangen“, erzählt er. „Die größte Distanz, die man an einem Tag gegangen ist, waren 39 Kilometer – das war aber ein Hammertag“, schmunzelt er. Wenn es besonders heiß ist, legen Taifun und Gandalf auch einmal ein Veto ein. Dann müsse man halt auf den kühlen Abend warten.


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