Deutsche Bundestagswahl bliebt spannend bis zum Schluss

Wahlforscher halten das Ergebnis der deutschen Bundestagswahl am 26. September noch für offen. Viele Wählerinnen und Wähler sind sich noch nicht sicher, wen sie wählen werden.

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Der deutsche Bundestag.
© AFP

Berlin – Die Umfragekurven der Parteien in Deutschland gleichen einer Achterbahnstrecke. Selten zuvor ist es vor einer Bundestagswahl am 26. September in der politischen Stimmung dermaßen wild rauf und runter gegangen. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz geht zwar mit einem kleinen Vorteil in die letzte Woche vor der Wahl. Ob Scholz diesen Vorteil bis zum nächsten Sonntag verteidigen kann, ist aber offen. Experten sind sich einig: Die Entscheidung ist noch nicht gefallen.

"Es wird jetzt auf die letzten Tage vor der Wahl ankommen, da ist noch sehr viel Spielraum", sagt der Wahlforscher Karl-Rudolf Korte von der Universität Duisburg der Nachrichtenagentur AFP. "Die Umfragen zeigen keinen eindeutigen Sieger."

Korte verweist darauf, dass sich viele Wählerinnen und Wähler ihrer Entscheidung längst noch nicht sicher seien. In einer solch instabilen Ausgangslage sei auch wenige Tage vor der Wahl noch viel Bewegung möglich. Erst die neue Woche werde zeigen, "wie viel der vorhandenen Ratlosigkeit sich vielleicht in eine Richtung bewegt" – zu SPD-Mann Scholz, zu Unions-Spitzenkandidat Armin Laschet (CDU) oder doch zur Grünen-Bewerberin Annalena Baerbock, deren Partei derzeit in den Umfragen auf Platz drei liegt.

Dem SPD-Kandidaten hängt im Wahlkampf-Endspurt die kürzlich erfolgte Razzia in seinem Ministerium an, am Montag soll Scholz sich vor einem Bundestagsausschuss dazu erklären – auch dies könnte sich auf die Stimmung auswirken, sagt der emeritierte Politikprofessor Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin. Über den Wirbel um Scholz hinaus sieht der Parteienforscher gleich "mehrere Gründe, weswegen die CDU doch noch zur SPD aufschließen könnte".

CDU/CSU mit "längerfristigem strukturellen Vorteil"

Zwar seien grundsätzliche Bindungen der Wähler an die Parteien zurückgegangen – aber CDU/CSU hätten hier "einen längerfristigen strukturellen Vorteil, weil mehr Leute an die Union gebunden sind als an die SPD", sagt Niedermayer. Die Union sei in ihren Stammmilieus fester verankert. "Wenn diese Parteibindungen reaktiviert werden könnten, ist die Union im Vorteil gegenüber der SPD."

Zudem beobachte er bei Wahlen regelmäßig einen Last-Minute-Swing zugunsten der Regierungspartei, sagt der Forscher. "Wir beobachten immer die gleiche Kurve vor der Wahl: Die Leute schimpfen über die Kanzlerin und die Regierung, und zum Schluss sind doch einige da, die wieder umschwenken."

Am Freitag veröffentlichte Umfragen sehen die Union bei 22 Prozent, die SPD bei 25 bis 26 Prozent und die Grünen bei 15 bis 16 Prozent. (APA/AFP)


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