Kind nach Seilbahn-Unglück in Israel: Ermittlungen ausgeweitet

Die Staatsanwaltschaft der lombardischen Stadt Pavia hat nun auch eine Untersuchung gegen einen 56-jährigen Israeli aufgenommen, berichtete die Tageszeitung Corriere della Sera. Damit wächst die Zahl der Verdächtigen im mutmaßlichen Entführungsfall auf drei.

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Bei dem Absturz einer Seilbahn-Gondel beim Lago Maggiore am 23. Mai kamen 14 Menschen ums Leben.
© AFP

Rom – Im mutmaßlichen Entführungsfall um den kleinen Eitan, dem einzigen Überlebenden des Seilbahnunglücks vom Lago Maggiore, ziehen die Ermittlungen weitere Kreise. Die Staatsanwaltschaft der lombardischen Stadt Pavia hat nun auch eine Untersuchung gegen einen 56-jährigen Israeli aufgenommen, berichtete die Tageszeitung Corriere della Sera.

Damit wächst die Zahl der Verdächtigen im mutmaßlichen Entführungsfall auf drei. Ermittlungen laufen bereits gegen die Großeltern des Kindes, die beschuldigt werden, den Sechsjährigen ohne Erlaubnis nach Tel Aviv gebracht zu haben. Der Verdächtige Israeli soll den Großvater und das Kind von Pavia nach Lugano mit einem Auto gefahren haben, das er auf dem Mailänder Flughafen Malpensa gemietet hatte. Von dort aus sollen sie mit einer Privatmaschine nach Tel Aviv geflogen sein.

Bub lebt derzeit bei Großvater mütterlicherseits

Der Großvater, der Enkel und der Fahrer wurden von der Schweizer Polizei in der Nähe des Flughafens Lugano angehalten und identifiziert. Danach waren sie in das Privatflugzeug eingestiegen. Der Sechsjährige lebt derzeit bei seinem Großvater mütterlicherseits in der Nähe von Tel Aviv.

Die italienische Justiz hatte Untersuchungen gegen die Großeltern des Sechsjährigen aufgenommen, nachdem er Anfang September von der Familie mütterlicherseits von Italien nach Israel gebracht worden war. Der Vorwurf lautet auf Kindesentführung. Der Bub, der als einziger das Seilbahnunglück im Mai überlebt hatte, soll von den israelischen Verwandten der in Italien lebenden Tante entzogen worden sein, die von den italienischen Behörden das Fürsorgerecht erhalten hatte.

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Bei Gondelabsturz starben Eltern und Bruder

Der Bub hat beim Absturz einer Seilbahn-Gondel am 23. Mai seine Eltern und seinen Bruder verloren. Insgesamt kamen bei dem Unfall im Piemont 14 Menschen ums Leben. Ein Gericht ernannte daraufhin die in Pavia in der Region Lombardei lebende Schwester des Vaters zum Vormund. Der Familienstreit um das Kind sorgt in Italien für großes mediales Interesse.

Die in Italien lebende Tante und ihr Mann reisen kommende Woche nach Israel in der Hoffnung, eine Einigung mit den Großeltern des Kindes zu erzielen. Die Beziehungen sind gespannt. Die Tante behauptet, das Kind sei vom Großvater einer "Gehirnwäsche" unterzogen worden. Der Großvater bestritt in TV-Interviews, dass er das Kind entführt hatte, weil er das Geld kassieren wolle, das der Bub als Entschädigung infolge des Seilbahnunglücks erhalten soll. (APA)


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