Schutz vor Armut und Ausgrenzung: Mückstein setzt EU-Kindergarantie um

Bis März 2022 soll ein Nationaler Aktionsplan erarbeitet werden. Damit soll besonders benachteiligten Kindern geholfen werden.

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Gesundheits- und Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne).
© HANS PUNZ

Wien – Die Sozialminister der EU haben im Juni eine "Kindergarantie" ins Leben gerufen, mit der Kinder vor sozialer Ausgrenzung und Armut geschützt werden sollen. Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne) hat nun mit der Umsetzung dieser Europäischen Garantie für Kinder in Österreich begonnen. Kinderarzt Klaus Vavrik, Primarius im Ambulatorium Sonnwendviertel, wurde zum "Kinderchancen-Koordinator" auserkoren. Bis März 2022 soll ein Nationalen Aktionsplan erarbeitet werden.

Alle relevanten Stakeholder wie Länder, Städte, Gemeinden, Sozialversicherung, Sozialpartner und NGOs werden einbezogen, um Maßnahmen für den Nationalen Aktionsplan beizusteuern, teilte das Ministerium der APA mit. Ziel sei es, dass sich die Situation für Kinder und Jugendliche bis 2030 merklich verbessert.

Um die Veränderungen auch messen zu können, werde es ein Monitoring des Prozesses geben. Weiters soll ein Schwerpunkt auf die Entwicklung einer besseren Kindergesundheitsstatistik gelegt und eine entsprechende wissenschaftliche Begleitforschung des Programms angestrebt werden.

Hilfe für benachteiligte Kinder

Mit dem Programm soll besonders benachteiligten Kindern geholfen werden. So soll sichergestellt werden, dass alle Kinder und Jugendlichen Zugang zu wichtigen Dienstleistungen haben. Dazu gehören hochwertige frühkindliche Betreuung, Bildung und schulbezogene Aktivitäten, mindestens eine gesunde Mahlzeit pro Schultag, Wohnortnahe, hochwertige Gesundheitsversorgung, gesunde Ernährung und angemessener Wohnraum.

"Es gibt ganz klare Zusammenhänge zwischen Benachteiligungen im Kindesalter und Armutsgefährdung im Erwachsenenleben – dagegen müssen wir etwas tun", sagt Mückstein." Insbesondere die soziale Mobilität ist mir als Sozialminister wichtig, damit alle Kinder im wohlhabenden Österreich gerechte Chancen haben." Mückstein verwies auf eine OECD-Studie, wonach es in Österreich eine geringe soziale Mobilität gibt. Dies bedeute, dass Einkommen, Bildung und sozioökonomischer Status nach wie vor sehr stark von jenen der Eltern abhängen. Arme oder benachteiligte Kinder hätten also weniger Chancen.

Am Montag haben sich zahlreiche Sozialorganisationen positiv zur "Kindergarantie" geäußert. Für das Netzwerk Armutskonferenz hat diese zumindest das Potenzial, für Verbesserungen zu sorgen. "Wir können Kinderarmut massiv reduzieren - wenn wir politisch wollen", hieß es in einer Aussendung. Auch das Netzwerk Kinderrechte schlug ähnliche Töne an. Demnach sei es "so dringend notwendig, Kinder und Jugendliche vor Armut zu schützen."

Bei SOS-Kinderdorf sprach man von einer "großen Herausforderung", im Kampf gegen Kinderarmut brauche es einen "breiten gesellschaftlichen und politischen Schulterschluss." Die Volkshilfe zeigte sich bereit, ihre "umfangreiche Expertise im Bereich der Kinderarmut einzubringen." Die Initiative sei eine gute Grundlage, konkrete Maßnahmen müssten aber folgen.

Von der Caritas hieß es, die "Kindergarantie" sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Kinderarmut könne man aber nur bekämpfen, "indem man an mehreren Schrauben gleichzeitig dreht", so Generalsekretärin Anna Parr. Sie strich besonders Finanzielles, Bildung und Gesundheit hervor. Ähnliche Stimmen kamen aus der Diakonie, man solle nun "in Kindergesundheit investieren." Auch durch die Corona-Krise seien "Kinder und Jugendliche massiv unter Druck." (APA)


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