Neue Möglichkeiten, mehr Konkurrenz für Österreichs Film- und Musikwirtschaft

Österreichs Film- und Musikwirtschaft litt schwer unter den Lockdowns, ein Anker scheint das Streaming.

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Das Kino sterbe als sozialer Ort nicht aus, Live-Konzerte seien wesentlich für die Erholung der Branche.
© iStock/APA/EXPA/Florian Schroetter

Von Anna Haselwanter

Innsbruck – Das Haus der Musik machte seinem Namen gestern einmal mehr alle Ehre: Im Rahmen des ersten „Tages der Film- und Musikwirtschaft“ der Tiroler Wirtschaftskammer versammelten sich Österreichs Kreative, um nach eineinhalb Jahren Pandemie Bilanz zu ziehen – und um nach vorne zu blicken.

Aber der Reihe nach: Geschlossene Kinos, abgesagte Konzerte und Festivals setzten der Branche zu. „Die Corona-bedingten Einnahmenausfälle für Musiklabels werden auf rund 30 Mio. Euro geschätzt“, erklärte Georg Tomandl, Obmann des Musikfonds Austria. Österreichs Verlage rechnen mit Umsatzeinbrüchen von 40 Prozent. So weit, so schlecht. „Die Gegenbewegung heißt Streaming“, sagt Tomandl, „das ist um ein Drittel gewachsen und hält die Musikwirtschaft im Puls.“

Aber wo mehr Möglichkeiten, da auch Konkurrenz. Heimische Produktionen, die am internationalen Markt schwer zu vermarkten sind, haben es auf Spotify und Co. schwer, erklärt der Musikproduzent. Zu brutal sei der Verteilungskampf auf dem Weltmarkt. „Dem versuchen wir mit Förderungen entgegenzutreten“, sagt Tomandl. Etwa mit Marketingunterstützung, um kleine Labels in den Weiten des Internets sichtbar zu machen.

Ebenso durchwachsen zeigt sich das Bild in der Filmwirtschaft, sagt Roland Teichmann, Direktor des Österreichischen Filminstituts. Der Kinomarkt ist nach 2019 „um fast 90 Prozent runtergerasselt“. Zwar stiegen die Zahlen im ersten Halbjahr 2021 wieder stark an, aber die Kinos seien immer noch „nicht offen wie ein Scheunentor“, spricht Teichmann die noch bestehenden Restriktionen an.

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Doch auch hier zeigt sich das Streaming als Krisengewinner – mit fast 30 Prozent Wachstumsquote. Teichmann rechnet aber damit, dass „irgendwann eine Grenze erreicht, die Abozahlen erschöpft und der Mensch müde vom einsamen Konsumieren sein wird“. Das Kino aber sei ein sozialer Ort und deshalb auch nicht unterzukriegen. 21,5 Mio. Euro Förderbudget hat das Filminstitut jährlich zur Verfügung – „und ist dabei für die Bundesländer genauso da“, betont Teichmann. Der Filmstandort Tirol buhlt darum. „Denn je mehr Produktionen hier gedreht werden, desto mehr Geld kommt ins Land“, sagt Bernhard Holzmann, Vertreter der Film- und Musikwirtschaft in der WK Tirol, „für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und den gesamten kulturellen Bereich.“


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