Tiroler Initiative fordert Aufholen bei sexueller Bildung

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Innsbruck – Warum wachsen plötzlich Haare, wo vorher keine waren? Worauf kommt es in Beziehungen an? Und was ist eigentlich Liebe? Fragen, die sich Kinder und Jugendliche ab einem gewissen Alter stellen. In Schulen werden Antworten darauf gegeben, auch im Rahmen von Kursen und Workshops mit externen Experten. Während der zurückliegenden, pandemiebedingt eingeschränkten Semester war das nicht möglich. Die Initiative „Sexuelle Bildung Tirol“ fordert, dass sich das rasch wieder ändert.

„Wir haben gesehen, dass in den vergangenen Monaten bei vielen Kindern und Jugendlichen große Wissenslücken entstanden sind“, sagt Paul Scheibelhofer, Assistenzprofessor am Institut für Erziehungswissenschaften an der Uni Innsbruck und Mitglied der Initiative. „Bei Kindern und Jugendlichen passiert und entwickelt sich viel. Wenn niemand Zeit hat, mit ihnen darüber zu reden, bleiben Fragen offen.“ Oder sie werden über unseriösen Quellen, etwa aus dem Internet beantwortet. „Es kursieren extrem viele Mythen“, meint er. „Ein professionelles sexualpädagogisches Angebot ist hier ein wichtiges Korrektiv.“

Weil viele Lehrer und Direktoren allerdings noch unsicher seien, was die aktuellen Corona-Sicherheits-Bestimmungen zulassen und was nicht, gebe es derzeit Hemmungen, Experten einzuladen. „Wir möchten dazu einladen, dass Schulen Sexualpädagogen wieder in die Klassen lassen“, erklärt Scheibelhofer. „Und damit nicht nur den Lehrplan, sondern generell den Bildungsauftrag im Auge haben.“

Werner Mayr, Leiter des Pädagogischen Dienstes in der Tiroler Bildungsdirektion, findet es „begrüßenswert, wenn Externe dazukommen“ und somit den von den „gut ausgebildeten Lehrern“ durchgeführten Sexualkundeunterricht ergänzen. Er gibt zu, dass sexualpädagogische Angebote in den Zeiten des Distanzunterrichtes wohl zu kurz gekommen seien, hier gelte es aufzuholen. „Indem, wie es derzeit passiert, soziales Lernen und nicht nur die Leistung in den Mittelpunkt gestellt wird. Wichtig sei, dass von außerhalb der Schulen organisierte Angebote genau geprüft werden. Hierzulande werde das von der Schulpsychologie abgewickelt. „Wird Eltern im Vorfeld erklärt, was bei den Kursen genau gemacht wird und wie, gibt es kaum Bedenken und Vorbehalte“, sagt Mayr. „Nur wenn das nicht passiert, ist Feuer am Dach und es fliegen die Fetzen.“ (bfk)

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