Wohnungen verteuerten sich in Österreich massiv

Notenbank: Wohnimmobilien sind fast um 12 % teurer als vor einem Jahr. Tirols Immobilienbranche kritisiert Baustopps in Gemeinden.

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Wohnraum in Österreich bleibt teuer: Die Preise ziehen nach wie vor stetig an, die Steigerungsraten sind zweistellig.
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Innsbruck – Die Immobilienpreise steigen und steigen. In Österreich waren Wohnimmobilien im zweiten Quartal durchschnittlich um 11,7 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, außerhalb Wiens wurden Wohnimmobilien sogar um 12,8 Prozent teurer, wie die Nationalbank (OeNB) gestern bekannt gab. „Damit setzte sich der Trend deutlicher Preissteigerungen über die vergangenen fünf Quartale fort“, betont die OeNB.

„Eigentumsbildung wird zunehmend schwierig“, räumten gestern Philipp Reisinger und Michael Kugler von der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in Tirol ein. Die privaten Bauträger wollen aber nicht für die Preisspirale verantwortlich gemacht werden. Es gebe einfach „ein extremes Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage“, meinen sie. Sie kritisieren, dass Gemeinden zunehmend Baustopps für frei finanzierte Wohnungen verhängen würden und nur noch geförderten Wohnbau zuließen: „Wenn wir nicht bauen können, wird die Situation noch verschärft.“

Laut einer im Auftrag der Tiroler Immobilien- und Vermögenstreuhänder durchgeführten repräsentativen IMAD-Umfrage denke jeder vierte Tiroler (24 %) daran, in den nächsten drei Jahren den Hauptwohnsitz zu wechseln. Davon wolle jeder Dritte fix Eigentum erwerben – und wiederum ein Drittel davon ein frei finanziertes Objekt. Hochgerechnet würde das bedeuten: Von etwa 600.000 Erwachsenen wissen demnach rund 17.000 jetzt schon ziemlich fix, dass sie in den nächsten drei Jahren eine frei finanzierte Immobilie zur eigenen Nutzung kaufen wollen.

Weiters sind laut Umfrage 58 Prozent der Tiroler der Ansicht, dass Wohnimmobilien vermehrt von ausländischen Investoren gekauft werden, für 25 Prozent werden Wohnungen vermehrt von einheimischen Investoren gekauft, 17 % wissen nichts dazu. Wobei bei der entsprechenden Frage nur diese drei Antwortmöglichkeiten vorgegeben wurden. Tatsächlich sei es so, dass zwei Drittel der Wohnungen für die Eigennutzung gekauft würden, der Rest hauptsächlich von Privatanlegern, erklären Kugler und Reisinger mit Verweis auf Hausverwalter, die ebenfalls zum Immobilienmarkt befragt wurden.

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47 % der Hausverwalter sind demnach zufrieden mit der Entwicklung des Wohnungsmarktes, 22 % unzufrieden. Tenor der Unzufriedenen: Kauf- und Mietpreise sind für Einheimische unerschwinglich, die Entwicklung am Immobilienmarkt sei „ausgeufert“. Einer glaubt, innerhalb der nächsten sieben Jahre werde es zu einer Immobilienblase kommen. Gründe für die Preisexplosion aus Sicht dieser Hausverwalter sind: Politik, Vorschriften, Normen, Airbnb – nicht aber Investoren. (mas)


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