Jordi Savall in Hall: Dissonanzen, die Hoffnung schenken

Auftakt der „Musik+“-Saison: Jordi Savall öffnet im Haller Salzlager den Möglichkeitsraum interkulturellen Miteinanders.

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Jordi Savall mit seiner Rebab. Die arabische Fidel gilt als ältestes bekanntes Streichinstrument.
© Malyshev

Hall – Mit seinem sorgfältig kuratierten Programm „Zuflucht im Erinnern“ hat der katalanische Originalklangforscher Jordi Savall – begleitet von Dimitri Psonis an Santur, Oud und Saz und David Mayoral an verschiedenen historischen Schlaginstrumenten – am Mittwochabend im Salzlager Hall die neue „Musik+“-Saison eröffnet. „Zuflucht im Erinnern“ ist eine musikhistorische Reise in den mediterranen Raum – und zur Möglichkeit eines inspirierten und inspirierenden Miteinanders.

In drei Blöcken macht Savall, jeweils mit anderen Streichinstrumenten – zunächst mit dem Rehab aus dem 14. Jahrhundert, dann mit einer Lira da gamba (etwa 1500), schließlich am Rebec (etwa 1450) – musikalische Verwandtschaften hör- und spürbar. Die Stücke stammen aus verschiedenen Zeiten und Ländern. Sie haben andere religiöse Hintergründe: Byzanz trifft auf berberische Tradition, ein sephardisches Klagelied landet im Armenischen, um sich dann als italienisches Saltarello zu entladen; Eine Marien-Lied aus Syrien mündet in Liebeslyrik aus Jerusalem – und war davor zum Tanzen in Afghanistan.

Ganz organisch wird ein Kulturraum beschworen, der älter ist als gegenwärtige Konflikte. Reibungsfrei mag der Dialog von Kulturen und Religionen auch damals nicht gewesen sein. Doch in der musikalischen Rückschau wird manchmal anrührend, bisweilen herausfordernd heiter und durchwegs wunderschön das Gemeinsame beschworen – und die gesunde Neugier auf das vermeintlich Andere. Zwischen den Blöcken greift Savall zum Mikrofon, erklärt, führt aus, bereitet auf das Kommende vor. Gerade die Dissonanzen, lernt man, habe in diesen Melodien namenloser Meister für jene Spannung und Tiefe gesorgt, die sie bis heute überdauern ließ. Auch daraus lässt sich Hoffnung schöpfen.

„Musik+“ bietet in dieser Saison elf Konzerte an. Am 28. September gastiert Cembalist Lorenzo Ghielmi mit Werken von Frescobaldi und Bach im Innsbrucker Haus der Musik, am 20. Oktober das Klangforum Wien mit Kompositionen von Gérard Grisey und der Uraufführung von „Tag ohne Nacht“ von Georges Aperghis im Haller Salzlager. (jole)


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