Pandemie, schlechtes Wetter und Urlaub am Meer: Ein Plädoyer für offene Bäder

Der Sommer war für Tirols Schwimmanstalten durchwachsen, es droht ein heißer Herbst.

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Eine verregnete Bilanz zogen (v. r.) Ulrich Mayerhofer, Berufsgruppenobmann der Tiroler Bäder, IMAD-Geschäftsführerin Barbara Traweger-Ravanelli und WK-Fachgruppengeschäftsführer Patrick Rauter.
© WK Tirol

Von Benedikt Maier

Innsbruck – Komplett ins Wasser gefallen ist der Sommer in den 47 Tiroler Frei- und zehn See- sowie Strandbädern nicht. Es gab schon schlechtere Saisonen, ganz ohne Pandemie. Aber Corona-Maßnahmen in Kombination mit relativ kühlen, verregneten Wochen haben Spuren hinterlassen und trüben die Bilanz. Sollten die Infektionszahlen stark steigen, droht den Schwimmanstalten ein heißer Herbst. Vertreter der Betreiber sprechen sich jedenfalls gegen flächendeckendes Zusperren aus.

Rund die Hälfte der Tirolerinnen und Tiroler hat in den vergangenen Monaten eines der heimischen Frei- und Seebäder besucht, wie aus einer von der Wirtschaftskammer (WK) in Auftrag gegebenen Befragung hervorgeht. Wer von den 500 interviewten Männern und Frauen nicht zum Schwimmen ging, nannte dafür die Pandemie, schlechtes Wetter, die Möglichkeit, ans Meer zu fahren, oder eigene Pools als Gründe. Im Herbst und Winter wollen laut der vom Institut für Marktforschung und Datenanalyse (IMAD) durchgeführten Erhebung 64 Prozent eines der hiesigen Hallenbäder zumindest ab und an besuchen. „44 Prozent outen sich allerdings als Winter-Bademuffel“, sagte IMAD-Geschäftsführerin Barbara Traweger-Ravanelli gestern bei einem Pressegespräch in Innsbruck. Ein Saunabesuch sei für zumindest 34 Prozent der Umfrageteilnehmer ein Thema. „Die Saunabetreiber und ihre Anlagen haben ein gutes Image“, meinte sie.

Ulrich Mayerhofer, WK-Berufsgruppenobmann der Tiroler Bäder, berichtete, dass die Besucherzahlen in diesem Sommer landesweit „rund 20 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt gelegen haben. Es hat aber vor Corona schon schlechtere Sommer gegeben.“ Wie die kommenden Monate werden, traute er sich nicht zu prognostizieren, aktuell seien die Vorgaben noch klar und könnten von den Betreibern gut umgesetzt werden. „Es gibt noch keine neuen Maßnahmen für die Bäder. Die Empfehlungen des Sommers mit 3-G-Regel und Erfassung der Kontaktdaten von Besuchern gelten weiter.“

Der für die Schwimmbäder zuständige Fachgruppengeschäftsführer in der Wirtschaftskammer, Patrick Rauter, beklagte eine gewisse Unsicherheit. „Mit den aktuellen Auflagen sind die Betreiber für die Zukunft gerüstet. Wir wissen aber heute noch nicht, was morgen kommt.“ Dass die Idee aufkommt, Anlagen aufgrund steigender Covid-19-Zahlen wieder zu sperren, hält er zumindest für plausibel. „Ersatzlose Schließungen sollten aber überdacht werden. Es gab in den Bädern keine Cluster und keine Probleme mit der Kontaktnachverfolgung.“ Vielmehr plädierte Rauter dafür, dass sich die Verantwortungsträger alternative Konzepte überlegen sollten. Ihm schwebe etwa vor, dass, falls unumgänglich, nur Betriebe in besonders betroffenen Regionen für einen gewissen Zeitraum dichtgemacht werden.


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