Wasserbedarf steigt: Stadt Innsbruck baut Mühlauer Quelle aus

Neue Stollen auf der Nordkette sollen die knapp werdende Trinkwassermenge erhöhen. Die IKB investieren bis zu 20 Mio. Euro in das Megaprojekt.

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Aus dem Stollen der Mühlauer Quelle wird das Wasser naturbelassen in die Innsbrucker Haushalte geleitet.
© IKB

Von Denise Daum

Innsbruck – Glasklares, bestes Trinkwasser sprudelt aus der Mühlauer Quelle. Völlig naturbelassen fließt dieses Wasser durch das dicht ausgebaute Leitungsnetz in Innsbruck und deckt 90 Prozent des Wasserbedarfs der Landeshauptstadt. Bevor das Quellwasser in die Haushalte transportiert wird, sickert es mehr als zehn Jahre durch das Gestein der Nordkette und wird mit Mineralien angereichert. Zwischen 600 und 1600 Liter Wasser pro Sekunde bringt die Quelle hervor. Das klingt zwar viel, reicht aber langfristig nicht mehr aus, um den stetig steigenden Bedarf an Trinkwasser zu decken.

Die Innsbrucker Kommunalbetriebe IKB starten deshalb ein Megaprojekt: Die Trinkwasseranlage wird ab April 2022 umfassend saniert und zusätzliche Stollen errichtet. Das macht Sprengarbeiten auf der Nordkette notwendig. Die Wassermenge wird um 350 Liter pro Sekunde erhöht. „Das ist nicht nur unser größtes, sondern auch unser wichtigstes Projekt“, betont IKB-Chef Helmuth Müller. Schließlich geht es um nichts weniger als die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung in der Stadt Innsbruck für die nächsten Generationen.

Das ist unser größtes und wichtigstes Projekt. Es geht um die Trinkwasserversorgung für Generationen.
Helmuth Müller (IKB-Vorstandsvorsitzender)

Die richtige Zeit für das Zukunftsprojekt ist genau jetzt: Nicht nur der Wasserbedarf steigt aufgrund des Wachstums ständig, parallel dazu geht auch die Schüttung der Quelle zurück, wie Robert Gschleiner, Geschäftsbereichsleiter Wasser der IKB, erklärt. Die Ursache dafür liegt in den geänderten Witterungsverhältnissen. Die Menge der Niederschläge sei zwar mehr oder weniger gleich geblieben, jedoch kommt es häufiger zu Starkregenereignissen. Dabei sickert weniger Wasser ein, der Großteil fließt stattdessen oberflächlich ab.

Hinzu kommt, dass manche Stollenabschnitte nicht mehr ganz dicht sind. Das hat sich im Jahr 2012 eindrücklich gezeigt, als bei einem Murenabgang der Boden aufgerissen wurde und Oberflächenwasser eingedrungen ist. „Das ist fatal. Dieses Wasser darf keinesfalls ins Trinkwasser gelangen“, betont Gschleiner. In so einem Fall schlagen die Messgeräte Alarm, die permanent die Klarheit des Wassers überwachen. Ein Automatismus verhindert, dass verunreinigtes Wasser durchgelassen wird.

Dieses Großprojekt wird eine Operation am offenen Herzen, da darf einfach nichts schiefgehen.
Thomas Pühringer (IKB-Vorstandsdirektor)

Das Großprojekt wird bereits seit Jahren vorbereitet, unzählige Untersuchungen und Erkundungen wurden vorgenommen. Trotzdem bleibt ein Restrisiko, schließlich kann man in einen Berg nicht hineinsehen. „Es wird eine Operation am offenen Herzen, da darf nichts schiefgehen“, betont IKB-Chef Thomas Pühringer. Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass alles glattgehen wird. Schließlich habe man die besten Köpfe, die daran arbeiten.

Auch Bürgermeister Georg Willi betont die Bedeutung dieses Projekts. „Viele andere Städte beneiden uns um die Trinkwasserqualität in Innsbruck, die auch zur Lebensqualität beiträgt.“

Die Kostenschätzung liegt bei 15 bis 20 Millionen Euro. Die genaue Summe lässt sich erst nach erfolgter Ausschreibung festmachen. Heuer starten bereits die Vorbereitungsarbeiten, im April 2022 kann es dann richtig losgehen. Die neue Anlage soll planmäßig im Jahr 2024 in Betrieb gehen.

Die umfassenden Bauarbeiten bringen auch Beeinträchtigungen für Freizeitsportler auf der Nordkette mit sich. Der für das Forstwesen zuständige Vizebürgermeister Hannes Anzengruber betont, dass „wir versuchen, die Nutzungskonflikte so gering wie möglich zu halten“. Dazu seien Ausweichrouten ausgearbeitet worden. Die größte Beeinträchtigung stellt die Wegsperre zwischen der Arzler und der Rumer Alm dar.


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