Marmelade statt Müll: Caritas-Projekt gegen Lebensmittelverschwendung

Die Hilfsorganisation hatte im Sommer dazu aufgerufen, überschüssiges Obst, Gemüse und Kräuter an Tagesstätten für Menschen mit Behinderung zu spenden. In Wien und NÖ wurden daraus inzwischen tausende köstliche Produkte produziert. Ein Projekt mit vielen Gewinnern.

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Aus dem gespendeten Obst entstanden bisher rund 10.000 Gläser Marmelade. Die Aktion läuft noch bis Mitte Oktober.
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Wien – "Lebensmittelverschwendung gilt weltweit als drittgrößter Produzent von CO2-Emissionen." Das sagte Umweltschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) bei einem Pressetermin am Freitag in Wien, bei dem es um eine Bilanz des Caritas-Wien-Projekts "ErnteZeit" ging. Die Hilfsorganisation hatte im Sommer dazu aufgerufen, überschüssiges Obst, Gemüse und Kräuter an Tagesstätten für Menschen mit Behinderung zu spenden.

Der Aufruf richtete sich an Menschen, die zu viel für den eigenen Bedarf ernten und die frischen Lebensmittel vor dem Verderben retten wollen. Die Caritas organisierte die Verarbeitung dieser Ressourcen direkt vom Baum zu Spezialitäten. 10.000 Gläser Marmelade und ähnliche Produkte wurden bereits produziert. Unter dem Motto "Die Zeit ist reif – nicht nur fürs Obst, sondern auch für Klimaschutz" hatte die Hilfsorganisation zur "ErnteZeit" geladen.

Menschen mit Behinderung verarbeiten Spenden

Mehr als 800.000 Tonnen genießbare Lebensmittel werden in Österreich pro Jahr weggeworfen. "Jeder von uns kann etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun", zeigte sich Gewessler überzeugt. "Lebensmittel sind kostbar. Jedes verschwendete Kilo oder weggeworfene Lebensmittel ist eines zu viel." Wenn es die Natur zu gut meint und sich die Bäume vor Früchten nur so biegen, kommen Mitarbeiter der Caritas gerne vorbei und ernten die Überschüsse, welche die Besitzer nicht verwenden können. Menschen mit Behinderung verarbeiten das gespendete Obst und Gemüse, aber auch Nüsse, Kräuter oder Blüten und verkaufen Saft, Marmelade und vieles mehr unter anderem im Shop der Caritas. Der Erlös kommt sozialen Projekten zugute.

Selbstverständlich kann man die wertvollen Zutaten auch vorbei bringen, erläuterte Manuela Buxer, Leiterin der Caritas-Einrichtung "Am Himmel". "Bisher wurden uns 1000 Kilo Lebensmittel gespendet." Aus den Äpfeln, Zwetschken, Kriecherln und Marillen entstanden rund 10.000 Gläser. Derzeit bittet man etwa um Zwetschken, Quitten oder Mispeln. Das Projekt läuft noch bis Mitte Oktober. "Gerne werden in den nächsten Wochen noch Obst und Gemüse in Gärten abgeholt", ergänzte Buxer.

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Projekt mit vielen positiven Aspekten

Gewessler verwies auf den "sozialen Mehrwert" des nachhaltigen Ernteprojekts, das den Teilnehmern auch eine sinnvolle Beschäftigung bietet, die ihnen großen Spaß macht, wie der Lokalaugenschein zeigte. Das gesamte Team ist sichtlich stolz auf die Produkte wie Lavendelsirup, Nussschnaps oder Energietee. Das Projekt ErnteZeit bringe allen was, meinte Gewessler: "Wir retten Lebensmittel, das Einkochen ist eine sinnvolle Beschäftigung und der Erlös kommt einem guten Zweck zugute." Darüber hinaus "schmecken die Produkte einfach köstlich".

Klaus Schwertner, Caritasdirektor der Erzdiözese Wien, verwies auf die "Verantwortung für die Schöpfung" und kündigte an, sich in Zukunft mehr in Sachen Klima äußern zu wollen. "Unsere Erde soll auch für künftige Generationen ein lebenswerter Ort bleiben. Es ist unsere Pflicht, hier und jetzt verantwortungsvoll, sparsam und gerecht mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen. Dabei geht es nicht nur um ökologische, sondern auch um ökonomische und soziale Nachhaltigkeit."

Aktuell werden in drei Einrichtungen in Wien und Niederösterreich die Nahrungsmittel direkt aus den Gärten abgeholt und verarbeitet. In der Wiener Tagesstätte "Am Himmel" arbeiten derzeit 30 Menschen mit Behinderung, unter anderem in der "Einkochgruppe" und bei der Abholung. Freiwillige unterstützen bei der Herstellung. Dazu werden in den 14 Le+O-Ausgabestellen (der Name eines anderen Projekts der Hilfsorganisation, Anm.), die die Caritas gemeinsam mit Pfarren in Wien und NÖ führt, pro Woche 14 Tonnen Lebensmittel an armutsbetroffene Haushalte verteilt, die im Handel nicht mehr verkauft werden. (APA)


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