Union und FDP buhlen um Grüne für Jamaika-Bündnis

Letzte Auftritte der Kanzler- und SpitzenkandidatInnen und Statements, die tief blicken lassen, prägen das Wahlkampffinale in Deutschland.

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Wahlplakate mit den Kanzlerkandidaten Armin Laschet, CDU/CSU (l.) und Olaf Scholz, SPD. Das Rennen um den ersten Platz ist knapp.
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Berlin – Robert Habeck von den Grünen und CSU-Chef Markus Söder gemeinsam in Quarantäne? Filmreif wäre dies, meinte der Interviewer des ZDF-Morgenmagazins Freitagfrüh – sichtlich und hörbar überrascht über die Antwort, die ihm der Grüne auf die Frage gab, mit welchem der Kandidaten der anderen Parteien er am liebsten in Quarantäne ginge.

Weniger unterhaltsam, dafür aber vielsagend die Antworten von Kanzlerkandidat Armin Laschet (Union) und FDP-Chef Christian Linder auf dieselbe Frage. Beide nannten – getrennt voneinander befragt – den jeweils anderen, betonten, miteinander befreundet zu sein, und ergänzten fast wortgleich: Annalena Baerbock müsse er noch kennen lernen, aber mit ihr gebe es viel zu diskutieren.

Dass Laschet und Lindner eine Jamaika-Koalition aus Schwarz-Grün-Gelb anstreben, ist nicht neu, dass sie aber schon so im Gleichklang sind, dürfte bei manch Grünen die Alarmglocken ausgelöst haben.

Noch ist nicht klar, wer morgen am Abend bei der ersten Hochrechnung, die um zirka 19 Uhr erwartet wird, die Nase vorn haben wird. Während im ZDF-Politbarometer Donnerstagabend die Union (23 Prozent) bis auf zwei Punkte an die SPD (25) heranrückte, hielt sie bei Forsa für RTL/ntv am Freitag bei ihren 22 Prozent und drei Punkten hinter den Sozialdemokraten (25). Die Grünen lägen zwischen 16,5. und 17, die FDP (11 bzw. 12) bei beiden mit einem Punkt vor der AfD und die Linke bei 6 Prozent.

Damit gäbe es vier Koalitionsoptionen: SPD mit CDU/CSU, SPD mit Grünen und FDP, SPD mit Grünen und Die Linken, Union mit Grünen und FDP. Oder eben CDU/CSU mit Grünen und FDP, denn es wäre auch durchaus möglich, dass die Union als Zweitplatzierte den Kanzler stellt und die SPD außen vor bliebe. Gespräche wird sie auf jeden Fall führen, davon gehen alle aus.

Markus Söder vermutete im Morgenmagazin allerdings, es gebe nur eine Chance auf eine bürgerliche Mehrheit, auch auf ein Jamaika-Bündnis mit Grünen und FDP, wenn die Union die Wahl gewinne. Die Grünen würden mit einer Union auf Platz zwei keine Mehrheit bilden, „sondern nur dann, wenn wir Nummer eins sind“, meinte Bayerns Ministerpräsident.

Offiziell haben die Kanzlerkandidaten von SPD, Union und Grünen gestern den Wahlkampf beendet, Termine nehmen Laschet und Scholz aber auch heute noch wahr. Ein letztes Mal muss auch Angela Merkel in den Wahlkampf eingreifen. Sie soll mit Laschet heute in dessen Heimatstadt Aachen auftreten. (sta, dpa)


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