Überraschendes aus dem Hause BMW

Der iX3 ist sehr schwer, hat wegen seiner SUV-Karosserie sicher nicht die besten aerodynamischen Voraussetzungen – und kommt als Elektroauto dennoch ziemlich weit.

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Ansehnlich, praktisch, rein elektrisch: Mehr als 400 Kilometer Reichweite lassen sich mit dem iX3 bei zurückhaltender Fahrweise erzielen.
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Von Markus Höscheler

Matrei – Wenn es um ihn, den elektrischen Trendsetter, geht, den seit 2013 angebotenen i3, dann reagieren BMW-Vertreter eher sensibel. Sie hören gerne die lobenden Worte für die neuartige Karosseriestruktur (Aluminium und CFK), für die Verwendung von nachhaltigen Materialien und den Fokus auf reine Elektromobilität. Auch das dynamische Fahren fand rege Resonanz. Kritische Worte gab es gleichwohl, die Formensprache wollte nicht jedem gefallen, die tatsächliche Reichweite ist trotz Updates keine beeindruckende, die Rentabilität dürfte zudem weit unter den Erwartungen geblieben sein.

Die Tage des i3 sind gezählt, aber nicht jene der Elektroautos von BMW. Der Konzern rückt allmählich neue Produkte heraus, lernt aus den Erfahrungen mit dem i3. Bestes Beispiel dafür ist der iX3, der von der Karosserie her vertraut ist, in Sachen Komfort keine Einbußen verlangt und bei der Reichweite ehrgeizige Versprechen einlösen kann.

Beginnen wir mit dem Äußeren. Unverkennbar orientiert sich der iX3 von der Karosserie her am konventionell gezeichneten Sport Utility Vehicle X3, entsprechend überrascht keineswegs das Midsize-Format: 4,73 Meter lang ist der iX3, Hauptunterscheidungsmerkmal zum X3 ist die geschlossene Doppelniere. Innen gibt es ausreichend Platz für fünf Insassen, auch das Gepäckabteil kann sich sehen lassen: Zwischen 510 und 1560 Liter lassen sich verstauen – platzschonend haben die Konstrukteure den Lithium-Ionen-Akku im Unterboden verstaut.

Der installierte Speicher bringt Vor- und Nachteile mit sich – vor allem das Gewicht zeigt seine Janusköpfigkeit: Die Batterie trägt erheblich bei zur Masse des Fahrzeugs, immerhin sind es 2,2 Tonnen, die es zu bewegen gilt. Positiv wirkt sich der tiefe Schwerpunkt aus, das zeigt sich beim Kurvenverhalten, denn hier lässt der iX3 im Grund hohe Tempi zu. Der Wohlfühlfaktor ist jedoch ein anderer, das nehmen wir erst recht beim Bremsen wahr. Hier merkt der Fahrer das Übergewicht, das dazu anregt, lieber entspannt zu fahren. Dabei macht der Elektromotor Laune, immerhin sind bis zu 286 PS und 400 Newtonmeter maximales Drehmoment abrufbar. Diese Daten bilden sich in der Längsdynamik ab, keine sieben Sekunden vergehen, bis der iX3 von null auf 100 km/h beschleunigt.

Theoretisch lässt sich das Modell bis zu 180 km/h schnell fahren – davon ist aber grundsätzlich abzuraten, wenn eine längere Reise geplant ist, die verlässliche Reichweiten erfordert. Und hier zeigt sich, dass BMW an Kompetenzen ordentlich zugelegt hat: Ein voller Akku bietet sogar mehr als 500 Kilometer Reichweite an, bei zurückhaltender Fahrweise freundeten wir uns mit rund 450 Kilometern tatsächlicher Reichweite an – und das inklusive gemütlicher Autobahnfahrten.

So verlockend die Leistungscharakteristik und die SUV-Karosserie auch sind – Abstand sollten iX3-Fahrer allerdings vor herausfordernden Offroadpassagen nehmen, denn über Allrad verfügt das Fahrzeug leider nicht. Dafür gibt es im Gegenzug eine reichhaltige Serienausstattung, darunter finden sich Basis-LED-Frontscheinwerfer, eine automatische Heckklappenöffnung und ein Panoramaglasdach. Zusätzlichen Pep verleiht die Impressive-Ausstattung mit 20-Zoll-Bicolor-Rädern, Leder-Vernasca-Bestuhlung, Sportsitzen, Head-up-Display und Harman-Kardon-Surround-Soundsystem (Impressive schlägt mit 4160 Euro zu Buche). Insgesamt kostet der Testwagen 74.684 Euro, mit Basis-Equipment sind 66.950 Euro fällig.

Die Technik

Motor: Elektromotor

Kapazität: 74 kWh netto

Drehmoment: 400 Nm

Leistung: 210 kW/286 PS

L/B/H: 4734/1891/1668 mm

Gewicht: 2260/2725 kg

Kofferraumvolumen: 510–1560 l

Reichweite: 430 km

Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h

0–100 km/h: 6,8 Sekunden

Verbrauch: ca. 18 kWh/100 Kilometer

Kraftübertragung: Hinterradantrieb

Preis: 74.684 Euro

CO2-Emission: 0 g/km


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