Bombenanschlag in Afghanistan, Taliban hingen Leichen von Entführern auf

Es ist die schwerste öffentliche Bestrafung seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan: In der westlichen Stadt Herat hängen die Leichen von vier mutmaßlichen Entführern an Kränen. Beobachter befürchten, dass ähnliche Gräueltaten folgen könnten.

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Der Vize-Gouverneur der Provinz Herat erklärte, das Aufhängen der Leichen an Kränen solle eine „Lektion" dafür sein, dass Entführungen nicht geduldet würden.
© AFP

Herat, Kabul – Die in Afghanistan herrschenden Taliban haben in der westlichen Stadt Herat die Leichen von vier mutmaßlichen Entführern aufgehängt, die sie zuvor erschossen hatten. Der Vize-Gouverneur der Provinz Herat, Schir Ahmed Muhadschir, erklärte, das Aufhängen der Leichen an Kränen solle eine „Lektion" dafür sein, dass Entführungen nicht geduldet würden.

Die Zurschaustellung der Leichen ist die schwerste öffentliche Bestrafung seit der Machtübernahme der Taliban Mitte August. Auf einem Video war einer der erschossenen Männer zu sehen, der von einem Kran herabhing und auf seiner Brust die Warnung trug: „So werden Entführer bestraft." Muhadschir sagte, die Sicherheitskräfte seien darüber informiert worden, dass am Morgen ein Geschäftsmann und dessen Sohn in Herat entführt worden seien.

Daraufhin habe die Polizei die Ausfallstraßen gesperrt und die Taliban hätten an einem Kontrollpunkt Stellung bezogen. Dort habe es einen Schusswechsel gegeben. Nach einem Feuergefecht von wenigen Minuten sei „einer unserer Mudschahedin verletzt" gewesen, während „alle vier Entführer getötet worden" seien, sagte Muhadschir in einer Erklärung. „Wir sind das Islamische Emirat", sagte Muhadschir. „Niemand sollte unserer Nation Schaden zufügen."

Ein Toter bei Bombenanschlag auf Taliban

Indes ist bei einer Bombenexplosion bei einem Konvoi der Taliban im Osten Afghanistans mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Sieben weitere Personen seien bei dem Vorfall am Samstagmorgen in der Provinz Nangarhar verletzt worden, berichteten örtliche Medien und Quellen.

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Ein Talibansprecher bestätigte der Deutschen Presse-Agentur eine Explosion in der Provinzhauptstadt Dschalalabad. Örtliche Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, eine am Straßenrand versteckte Bombe sei detoniert, als der Konvoi vorbeikam. In Nangarhar, einst Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), hat die Zahl der Mord- und Bombenanschläge zugenommen, seit die Taliban Mitte August die Kontrolle über Afghanistan übernommen haben. Der IS hat einige der Anschläge für sich reklamiert. Die Taliban und der IS haben in der Vergangenheit gegeneinander gekämpft.

Die Taliban haben nach ihrer Machtübernahme eine Regierung gebildet und bemühen sich um internationale Anerkennung. Es bestehen Befürchtungen, dass in Afghanistan wieder ähnliche Gräueltaten verübt werden wie während ihrer Herrschaft in den Jahren 1996 bis 2001.

UNO warnt vor Verschärfung der humanitären Krise

Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hat indes vor einer Verschärfung der humanitären Krise in Afghanistan gewarnt. Dem Land drohe nach der Machtübernahme der Taliban eine „unmittelbare Hungersnot", sagte die UNFPA-Exekutivdirektorin Natalia Kanem am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Ein Drittel der Bevölkerung sei von Hunger bedroht. Der bevorstehende Winter werde den Transport von Hilfsgütern in abgelegene Gebiete erschweren, sagte Kanem. Hinzu komme Corona.

„Es herrscht große Sorge darüber, wie wir die Gesundheitsversorgung sicherstellen und woher die nächste Mahlzeit kommen soll", sagte Kanem. „Es ist dringend, vor allem für Frauen und Mädchen." Afghanistan sei eines der Länder mit der höchsten Sterblichkeitsrate bei Geburten und Schwangerschaften.

Ziel sei es, ein funktionierendes Gesundheitssystem in Afghanistan aufrechtzuerhalten. Das Vorhaben werde aber dadurch erschwert, dass der internationale Flughafen in Kabul geschlossen worden sei und viele Fachkräfte das Land verlassen hätten, fügte Kanem hinzu. Die UNO hatte am Mittwoch Nothilfen in Höhe von 45 Millionen US-Dollar (rund 38 Millionen Euro) zur Unterstützung des angeschlagenen Gesundheitssystems in Afghanistan freigegeben. (AFP)


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