Moskau wirft Biden Scheinheiligkeit vor: Handelt im "Geiste des Kalten Krieges"

Angesichts des Plädoyers von US-Präsident Joe Biden zur internationalen Zusammenarbeit hat ihm Russlands Außenminister Sergej Lawrow vor der UN-Vollversammlung "Scheinheiligkeit" vorgeworfen. Er warf dem Westen vor, die UN für eigene Interessen nutzen oder an die Seite drängen zu wollen.

  • Artikel
  • Diskussion
Russlands Außenminister Sergej Lawrow bei seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen.
© via www.imago-images.de

New York, Moskau – Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat dem US-Präsidenten Joe Biden wegen dessen Plädoyers für Diplomatie und Zusammenarbeit Scheinheiligkeit vorgeworfen. Vor der UN-Vollversammlung bezichtigte Lawrow am Samstag die USA, sich das Recht anzumaßen, über den demokratischen Status anderer Länder zu entscheiden. Die Washingtoner Initiative für einen "Demokratiegipfel" stehe "klar im Geiste eines Kalten Krieges", sagte Lawrow.

Lawrow warf dem Westen vor, die UN für eigene Interessen nutzen oder an die Seite drängen zu wollen. Bei Konflikten werde je nach Interessenlage mit zweierlei Maß gemessen und das Recht auf Selbstbestimmung nicht jedem zugestanden. Mit dem westlichen Konzept der "regelbasierten Ordnung" sollten Länder mit anderer Auffassung ausgeschlossen werden. So hätten Deutschland und Frankreich ein Bündnis für Multilateralismus angekündigt, obwohl es dafür das ultimative Forum schon gebe: die Vereinten Nationen.

Die 76. UN-Generaldebatte in New York endet am Montag. Nachdem 2020 pandemiebedingt lediglich aufgezeichnete Video-Reden abgespielt worden waren, waren diesmal wieder viele Staats- und Regierungschefs nach New York gereist, meist mit kleineren Delegationen als früher.

Moskau will weitere Runde für Abrüstungsgespräche

Am Rande der Tagung kündigte Lawrow für die neue Woche eine weitere Runde der Rüstungskontrollgespräche mit den USA an. "Was unsere Gespräche mit den USA über die strategische Stabilität angeht, so war die erste Runde im Juli und die zweite soll nächste Woche zustande kommen." Die beiden größten Atommächte USA und Russland hatten Ende Juli in Genf in der Schweiz den Auftakt zu neuen Gesprächen über Rüstungskontrolle begonnen, auf die sich Biden und der russische Staatschef Wladimir Putin geeinigt hatten.

Am Rande der UN-Vollversammlung bestätigte Lawrow, dass die malische Regierung Kontakt zu einer russischen Söldnerfirma aufgenommen hat. "Sie haben sich an eine private Militärfirma aus Russland gewandt", sagte Lawrow am Samstag in New York. Er sagte, nach seinem Verständnis stehe die Kontaktaufnahme der Regierung Malis zu der russischen Söldnerfirma "im Zusammenhang damit, dass Frankreich sein militärisches Kontingent erheblich kürzen möchte, das dort (...) Terroristen bekämpfen sollte." Er fügte hinzu: "Damit haben wir nichts zu tun. Dies sind kommerzielle Verträge zwischen einer anerkannten, legitimen Regierung und denen, die ausländische Militärhilfe leisten." (APA/dpa)


Kommentieren


Schlagworte