Thomas Stelzer: Nüchterner Landesmanager mit etwas ernüchterndem Ergebnis

Es war seine erste Landtagswahl, die Thomas Stelzer als Landeshauptmann von Oberösterreich bestreitet. Das große Wahlziel, die ÖVP wieder auf über 40 Prozent zu bringen, verfehlte der unaufgeregt wirkende Sachpolitiker allerdings.

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Landeshauptmann Thomas Stelzer mit Familie bei der Stimmabgabe am Sonntag in Wolfern (Bezirk Steyr-Land).
© TEAM FOTOKERSCHI

Linz ‒ Die Landtagswahl in Oberösterreich ist für ÖVP-Landeshauptmann Thomas Stelzer ernüchternd. Das zur "Chefsache" erklärte Ziel, die Niederlage von 2015 unter Vorgänger Josef Pühringer wettzumachen, ist nicht wirklich gelungen. Der Stimmenzuwachs von 1,3 Prozentpunkten (von 36,4 auf 37,7) ist weit unter den Erwartungen des stets nüchtern wirkenden Landesvaters geblieben.

Der heute 54-Jährige, der dem ÖAAB zuzurechnen ist, hat eine klassische Karriere in der ÖVP hingelegt. Als Jugendlicher stieß das einzige Kind aus bürgerlichem Haus 1986 zur Volkspartei. 1992 stieg er in der JVP zum Landesobmann auf, er saß im Linzer Gemeinderat und im oö. Landtag, wo er von 2009 bis 2015 Klubobmann war. Nach der vergangenen Landtagswahl rückte er zum Landeshauptmann-Stellvertreter auf, um zwei Jahre später dann die Nummer eins im Land und in der Partei zu werden.

Über sich selbst hat der studierte Jurist zum Amtsantritt gesagt, dass er schon vom "Durchhalten geprägt" sei und sich "eher selten von etwas abbringen" lasse. So betete der Neo-Landeshauptmann stets "Oberösterreich nach vorne bringen" herunter und setzte das Nulldefizit durch. Durch Corona musste er diesen Pfad der Budgetpolitik verlassen, jetzt will er "Oberösterreich wieder stark machen", wie er nicht minder müde wird zu sagen.

📽️ Video | ÖVP-Landeshauptmann Thomas Stelzer

Ein Fortsetzen der Koalition mit der FPÖ in der Proporzregierung ist denkbar, sah er diese bisher ganz pragmatisch. Mit dem vergleichsweise gemäßigten Manfred Haimbuchner hat er sich arrangiert. Um den Wahlsieger FPÖ ‒ die Blauen verdoppelten 2015 ihren Stimmenanteil von 15 auf 30 Prozent ‒ in Zaum zu halten, besetzte er schon als Landeshauptmannstellvertreter klassisch blaue Themen. Allerdings arbeitet er nicht mit der Brechstange, wenn er dabei an Grenzen, z.B. juristischer Natur, stößt. So ließ sich in Oberösterreich die Schulsprache Deutsch nur auf freiwilliger Basis in der Hausordnung verankern.

Auf ein Kopftuchverbot im Landesdienst verzichtete er vorerst ganz, als der Verfassungsdienst eine bundeseinheitliche Lösung empfahl.

Loyal zu Parteichef Kurz

Auch wenn Stelzer, der Nicht-Slim-Fit-Anzüge bevorzugt, zwar als Vertreter der jüngeren Generation gilt, ist er doch von konservativen Werten geprägt. So verteidigt er das Kreuz in Schulklassen oder in Gerichtssälen. Gegenüber seinem Parteichef Sebastian Kurz verhielt er sich bisher stets loyal, was dem Oberösterreicher bei seiner Wiederwahl zum Stellvertreter des Bundesparteiobmannes beim Parteitag in St. Pölten ein Ergebnis von 100 Prozent bescherte.

Korrektes Verhalten erwartet sich der LASK-Fan, der sich selber als Teamspieler bezeichnet, auch von seiner Mannschaft im Bundesland. Ist dem nicht so, zögert er nicht durchzugreifen. Nachdem sich die Kosten für den Umbau eines ehemaligen Spinnereigebäudes in ein Museumsdepot in Linz ohne Stelzers Wissen fast verdreifachten, ging der Kulturdirektor "aus persönlichen Gründen". Der Landeshauptmann hatte in der Causa von einem "Vertrauensverlust" gesprochen.

Als Kind wollte er Feuerwehrmann werden - dass er einst Krisenmanager in einer Pandemie sein würde, hat er damals wahrscheinlich nicht erwartet. Anfangs preschte er hier manchmal vor, etwa mit dem "Garagenparty-Verbot" oder der Forderung nach einer Impfpflicht. Mittlerweile ist er zurückhaltender bei harten Maßnahmen, das Thema Corona wurde von ihm im Wahlkampf nicht proaktiv angegangen.

Stelzer ‒ geboren am 21. Februar 1967 in Linz ‒ lebt mit seiner Familie in Wolfern im Bezirk Steyr. Seine Frau Bettina ist Unternehmerin und leitet eine Firma für Gastroeinrichtungen. Das Paar hat eine Tochter, die jetzt in der Maturaklasse ist, und einen Sohn. Lukas dürfte seinem Vater, was das politische Engagement angeht, nacheifern. Er ist Obmann der JVP in seiner Heimatgemeinde. Ebenfalls gehören zwei Katzen zur Familie. Täglich telefoniert Stelzer mit seiner inzwischen 87-jährigen Mutter, diese Zeit müsse sein. Mit Laufen in der Früh hält sich der LH körperlich fit, seine Anzüge bügelt er, bevor er ins Büro fährt, selber auf, "damit der Bug sitzt".


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