„Auch tagsüber Nachtruhe“: Treibhaus-Chef Pleifer droht mit Rückzug

Nach vereinzelten Lärmbeschwerden stellt Norbert Pleifer die Gartenkonzerte im Treibhaus ein. Von der Politik fühlt er sich ignoriert, von den Behörden schikaniert.

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Treibhaus-Chef Norbert Pleifer.
© Rachlé

Innsbruck – Heiterer Himmel macht Norbert Pleifer misstrauisch. Aus Erfahrung, sagt er. „In Tirol kommt immer alles aus heiterem Himmel.“ Ein Schreiben der Innsbrucker Veranstaltungsbehörde zum Beispiel. Das setzte den Treibhaus-Chef im August darüber in Kenntnis, dass es Beschwerden über „vermeidbaren und unzumutbaren Lärm“ gebe. „Musik, die manchen nicht gefällt, ist immer gleich Lärm. Und Lärm nur zumutbar, wenn er von Baustellen verursacht wird“, sagt Pleifer. Er war schon besser gelaunt.

Nicht wegen der Beschwerden einer Handvoll Anrainer. Das sei ihr gutes Recht. Aber das Verhalten von Politik und Behörden regt ihn auf. Oder – genauer gesagt – deren Nicht-Verhalten. „Eine Unzumutbarkeit wird behauptet – und niemand kommt, um zu überprüfen, was wirklich los ist“, sagt er. Der Großteil der Konzerte sei akustisch gewesen, sagt Pleifer, „unplugged, Volks- und Weltmusik, Jazz“. Und selbst wenn es bei Harri Stojka zum Beispiel etwas lauter wurde, verklang der letzte Ton um Punkt 21 Uhr.

Seit Mai finden im Treibhaus-Garten täglich Veranstaltungen statt. Auch in den Monaten vor dem Lockdown wurde hier open air musiziert und gespielt. Turm und Keller der Innsbrucker Kulturinstitution sollen erst bespielt werden, wenn die Pandemie vorbei ist. Das ist Teil eines Hygienekonzeptes, das sich bestens bewährt hat. „Draußen ist sicherer. Alles, was draußen stattfinden kann, soll draußen stattfinden“, sagt Pleifer.

Dem Brief der Veranstaltungsbehörde hat Norbert Pleifer ausführlich geantwortet – und diesen „Hilferuf“ auch an Bürgermeister Georg Willi und Kulturstadträtin Uschi Schwarzl (beide Grüne) geschickt. „Schließlich sind sie dafür verantwortlich, den Rahmen für Kulturarbeit in Innsbruck abzustecken“, sagt er. Schwarzl habe ihm daraufhin in einem „netten Brief“ für sein Engagement in pandemischen Zeiten gedankt. „Schön und gut“, sagt Pleifer, „aber ob und wie ich weiterveranstalten darf, wusste ich nicht.“

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Da war das heurige Herbstprogramm bereits geplant. Und das soll ein ganz besonderes werden. Am 5. Oktober jährt sich die Eröffnung des ersten Treibhauses in Pradl zum 40. Mal. Mit dem Konzert der Jazz-Legende Ron Carter am 20. September sollten die Feierlichkeiten eingeläutet werden. Pleifer fragte bei der Veranstaltungsbehörde nach. „Ich muss ja wissen, ob sie mir den 84-jährigen Carter bei seinem ersten Konzert seit zwei Jahren als Lärmbelästiger verhaften.“ Die Antwort kam einmal mehr aus heiterem Himmel – und riss Pleifer aus allen Wolken.

Er wurde an die Gewerbebehörde ver- und auf eine fehlende Betriebsanlagengenehmigung hingewiesen. „Gegen Bürokratie und politische Gleichgültigkeit gibt es keine Impfung“, sagt Norbert Pleifer. Er fühlt sich schikaniert. Und er zog Konsequenzen: „Im Garten ist ab 3. Oktober das Musizieren behördlich verboten.“ Das Jubiläumsprogramm findet statt. Aber nicht wie geplant und vorbereitet im Garten.

Gegen seinen Willen sperrt Pleifer am Sonntag für 5/8erl in Ehr’n vorzeitig den Turm auf. „Damit draußen auch tagsüber die politisch gewünschte Nachtruhe herrschen kann“, sagt er – und nimmt die Stadtregierung in die Pflicht: Es sei keine Lösung, allem, was im Zentrum abseits von Blasmusik für Leben sorgt, den Weg an den Stadtrand zu weisen.

Georg Willi hat inzwischen reagiert. Er arbeite an einer Lösung für den Gastgarten, schreibt er auf Facebook. Lange warten will Norbert Pleifer darauf nicht. Am 30. Dezember ist im Treibhaus das Jahresendkonzert der Doors Experience angesetzt. Bis dahin brauche es Antworten, sagt Pleifer, „sonst kann sich Willi am 1. Jänner den Schlüssel fürs Treibhaus abholen“. (jole)


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