„Wir lernen voneinander“: Freiwilligen-Projekt Sindbad sucht Mentoren

Dank des Mentoring-Projekts Sindbad hat Mahad seine Traumlehre gefunden und Souleen kann ihre Begeisterung für Informatik in der Schule ausleben.

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Sindbad-Innsbruck-Standortleiterin Isabell De Luca mit Mahad Ali und Oliver Hamedinger. Durch die Unterstützung der freiwilligen Mentoren haben sich für Souleen (Bild siehe unten im Artikel), die aus Syrien stammt, und den gebürtigen Somalier Mahad neue Zukunftschancen aufgetan.
© Rita Falk

Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Souleen begeistert alles, was mit Technik und Informatik zu tun hat. Die 16-jährige Syrerin besucht seit heuer die HTL-Fachschule Elektrotechnik in Innsbruck. „Nach ein bisschen Aufregung am Anfang“ fühlt sie sich inzwischen als eine von vier Mädchen in der Klasse wohl. Den großen Schritt in Richtung weiterführender schulischer Laufbahn hätte sie ohne die Unterstützung von Cora Mantel nicht gewagt bzw. sich im Dschungel aller Möglichkeiten erst gar nicht zurechtgefunden. Mantel ist Mentorin des Freiwilligenprojekts Sindbad Innsbruck, „das auf der Idee basiert, durch ein individuelles Mentoring-Programm sozial benachteiligte Schüler zu unterstützen, ihnen neue Chancen und Perspektiven zu eröffnen sowie Vorurteilen entgegenzuwirken“, erklärt Standortleiterin Hanna Hörtnagl.

Cora Mantel und Souleen Khalil.
© TT, Rita Falk

Immer wieder hat sich das Team Mantel und Souleen getroffen, „um zuerst einmal herauszufinden, ob es in die Lehre oder weiter in die Schule gehen soll“, so Mantel. Gemeinsam wurden Bewerbungen geschrieben, ein Lebenslauf aufgesetzt und dank des Netzwerks von Sindbad konnte Souleen schließlich im Informatikbereich in einer Firma schnuppern. „Dass es letztendlich dann die Schule wurde, ist genau richtig für die superverlässliche Souleen“, streut Mantel dem sympathischen Mädchen Rosen. Überzeugt ist Mantel, dass die Mentorentätigkeit auch ihr Leben bereichert. „Ich habe die schöne Möglichkeit, andere Lebenswelten kennen zu lernen. Und es ist ja zudem so, dass wir voneinander lernen.“

Auch Mentor Oliver Hamedinger hat viel gelernt, „nämlich, welche große Zahl an Lehrberufen es gibt“. Bei gemeinsamen Spaziergängen mit Mahad Ali ist nach dem Pflichtschulabschluss die Traumlehre nun gefunden, nachdem sein Schützling verschiedene Praktika durchlaufen hat. „Ich mache seit drei Wochen die Lehre zum Betriebslogistiker, das gefällt mir sehr gut“, sagt Mahad.

Hanna Hörtnagl (Standortleitung): „Das individuelle Mentoring-Programm basiert auf der Idee, sozial benachteiligte Schüler zu unterstützen.“
© Falk

Kaum vorstellen kann man sich, dass der gebürtige Somalier erst seit drei Jahren in Tirol ist. „Nur mit dem Dialekt ist es noch ein bisschen schwierig“, meint der 18-Jährige. „Seine Deutschkenntnisse hat er der Leiterin eines bfi-Kurses zu verdanken“, wie Oliver weiß. Sie hat den supersportlichen Mahad bei einem Fußballverein empfohlen, wo er seitdem mit Begeisterung spielt und so ganz nebenbei perfekt Deutsch lernt.

Dass mit der Unterstützung von Sindbad für Mahad und Souleen sehr gute Bedingungen für ihre Zukunft gelegt sind, ist nicht zu übersehen, was Standortleiterin Isabell De Luca freut. „Ich denke, dass der Erfolg von Sindbad damit zusammenhängt, dass unsere Ehrenamtlichen sehr viel Herzblut in die Sache stecken. Dazu kommt, dass 1:1-Teams – also ein Mentor unterstützt einen Mentee – für den Beziehungsaufbau und die Begleitung der Jugendlichen sehr gut sind.“

Sindbad Innsbruck

Zweite Staffel: Der Verein Sindbad Innsbruck (finanziert von Land Tirol, Stadt Innsbruck, WKO Tirol und privaten Geldern) wurde 2020 gegründet und ist ein Zweigverein von Sindbad österreichweit. In Innsbruck startete 2020 die erste Staffel, die aktuell noch mit 18 Teams läuft. Im November ist der Start der zweiten Staffel mit 25 bis 30 Teams geplant.

Mentoren gesucht: Sindbad sucht dringend MentorInnen, Studierende oder Berufstätige zwischen 20 und 35 Jahren. Bei Interesse: isabell.deluca@sindbad.co.at


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