ÖAV-Karte zeigt drastischen Gletscherschwund in Zillertaler Alpen

Der heutige Gletscherbestand wurde in eine historische Alpenvereinskarte aus dem Jahr 1930 eingefügt. Für den Alpenverein ist die Karte im Maßstab von 1:25.000 ein „einzigartiges Zeitdokument".

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Berliner Hütte Waxeckkees am 4. September 2021.
© FRIEDRICH

Innsbruck – Wie drastisch die Gletscher in Österreich innerhalb eines Jahrhunderts zurückgegangen sind, zeigt nun eine neue Karte des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) der Zillertaler Alpen West. Eine historische Karte aus dem Jahr 1930 wurde überarbeitet - und um den heutigen Gletscherbestand ergänzt. Außerdem markiert sie den Umbruch im Bereich der Kartografie.

Die Zillertaler Alpen sind stark vom Gletscherschwund betroffen, wie auf der neuen Karte - die dem Alpenvereinsjahrbuch "BERG 2020" beigefügt ist - ersichtlich wird. Die Gletscherzungen in diesem hochalpinen Bereich zogen sich in den vergangenen Jahren durchschnittlich um 30 bis 50 Meter pro Jahr zurück. Trauriger Rekordhalter ist das Hornkees mit einer Rückzugslänge von 104 Metern in nur einem Sommer. Seit 2020 sind in den Ostalpen kaum mehr Gletscher mit positiver Massebilanz vorhanden.

Berliner Hütte Waxeckkees um 1927.
© ÖAV-MUSEUM-ARCHIV

Für den Alpenverein ist die Karte im Maßstab von 1:25.000 ein "einzigartiges Zeitdokument", hieß es gegenüber der APA. Sie wurde auf Basis moderner Orthofotos und digitaler Geländemodelle hergestellt, welche die Gletscherstände erfassen. Dafür herangezogen wurden Luftbildaufnahmen aus Österreich und Italien.

Doch die Alpenvereinskarte zeige auch deutlich, dass in der Disziplin der Kartografie eine neue Ära angebrochen ist: "Diese historische Karte ist ein exemplarischer Abschluss der rasterbasierten Kartografie. Wir befinden uns mitten im Umbruch hin zur modernen, geodatenbasierten Kartografie", berichtete Werner Beer von der Abteilung Hütten, Wege und Kartografie des ÖAV.

© ALPENVEREIN/EINKEMMER

Er verdeutlichte, wie langwierig sich früher das Erstellen von Karten gestaltete: "Neun Jahre lang arbeitete man im Gelände, am Stereograph und Schreibtisch, um das gesamte Werk Zillertaler Alpen 1930 mit drei Karten zu Papier zu bringen. Früher arbeiteten die Kartografen nach der aufwendigen Geländeauswertung mit feinster Handgravur - zunächst auf Steinplatten, später auf Kunststofffolien", berichtete Beer.

© ALPENVEREIN/EINKEMMER

Doch auch heutzutage steckt noch ein hoher Arbeitsaufwand dahinter, obwohl moderne Datengrundlagen und Softwareprodukte vieles erleichtern. Das Aufgabengebiet der Kartografie wandelt sich derzeit - aufgrund der Schaffung einer flächendeckenden Datengrundlage bei der Kartenherstellung - hin zu einer zentralen Geodatenservicestelle für alle Vereinsthemen, so der ÖAV. (APA)


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