Degens poetische Sehnsuchtsbilder in der Galerie Mathias Mayr

Blumige Fraktale von Helmut Christof Degen in der Innsbrucker Galerie Mathias Mayr.

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„Göttlicher Funke“ nennt Helmut Christof Degn diese Arbeit aus seinem Bilderzyklus „Fraktale. Die Präsenz des Anderen“ von 2020.
© Galerie Mayr/Degn

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Als Künstler fühlt sich Helmut Christof Degn als Gewinner von Corona. Habe er doch nie so viel und so konzentriert gearbeitet wie in dieser verordneten Zeit des Rückzugs, sagt der in Wien lebende Tiroler Zeichner und Maler. Wie fruchtbar dieser Output war, führt der 73-Jährige in seiner aktuellen Ausstellung in der Innsbrucker Galerie Mathias Mayr vor, die er mit seinen poetischen „Fraktalen“ vollgehängt hat.

Basis jeder dieser klein- bzw. mittelformatigen Arbeiten auf Papier oder Leinwand ist das Foto einer Blüte aus seinem Innsbrucker Garten. Letztlich Bild gewordene Sehnsucht nach einem im Moment unerreichbaren, mit vielen Erinnerungen sentimental aufgeladenen Ort. Reduziert auf so etwas Vergängliches wie eine Blüte, die Degn allerdings nicht realistisch in ihrer ganzen formalen Schönheit porträtiert, sondern zur Struktur reduziert. Zur atmosphärisch aufgeladenen Essenz von Blütigem, zum Garten, den er verinnerlicht habe, so Helmut Christof Degn.

Basis dieser einsiedlerischen Bildfindungen sind, wie schon erwähnt, Fotos von Blüten, die Degn in winzige Zeichnungen transformiert. In die der Künstler in einem nächsten Schritt hineinzoomt, indem er Ausschnitte des Gezeichneten mit Tuschen und Aquarellfarben auf größere Papiere oder Leinwände überträgt. Um auf diese Weise zur komplett abstrakten Struktur zu werden, zum delikaten Spiel mit Spuren des Malerischen und Grafischen, die, einmal mehr, einmal weniger verdichtet, bisweilen wie verpixelt daherkommen oder in weiten Schleifen die Bildfläche durchpflügen. Wobei fast genauso wichtig wie das malerisch Formulierte das Dazwischen ist, die alles andere als leeren Leerstellen.

Obwohl Helmut Christof Degn in seinen „Fraktalen“ nichts Konkretes meint, sind persönliche Assoziationen durchaus erwünscht.

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