Kampagne der Tiroler VP-Frauen: „Traut euch vor den Vorhang!“

Nur ein Fünftel der Tiroler Gemeinderäte sind Frauen. Mit den Wahlen 2022 solle sich das ändern, betonen die Frauen in der Tiroler VP – und starten dazu eine Kampagne.

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Mit einer Wasserwaage als anschaulicher Metapher weisen die VP-Frauen auf das aktuelle Ungleichgewicht in den Gemeindestuben hin (v. l.): Anita Siller, Cornelia Hagele, Elisabeth Pfurtscheller und Daniela Kampfl.
© Domanig

Telfs – Nur noch knapp fünf Monate verbleiben bis zu den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen am 27. Februar 2022, weniger als vier Monate bis zur Einmeldung der Listen. Deren Erstellung läuft allerorten an. Aus Sicht der Frauen in der Tiroler VP ist daher nun die richtige Zeit, „um aktiv zu werden und Frauen für politisches Engagement zu motivieren“, wie Landesleiterin Elisabeth Pfurtscheller – auch Frauensprecherin ihrer Partei im Nationalrat – meint.

Beim gestrigen Auftakt zur tirolweiten Kampagne – vergleichbare Bemühungen und Initiativen gibt es auch von politischen Mitbewerbern bzw. parteiübergreifend – kam von den VP-Frauen eine klare Ansage: Nach den Wahlen 2022 solle es keine Tiroler Gemeinde ohne Gemeinderätinnen mehr geben – nach den letzten Wahlen 2016 waren 15 (!) Gemeinderäte rein männlich besetzt – und keinen Bezirk mehr ohne Bürgermeisterin. Aktuell findet man nur in 18 von 279 Gemeinden Bürgermeisterinnen (6,5 %), in den Bezirken Landeck und Imst keine einzige. Damit liegt Tirol deutlich unter dem – im EU-Vergleich ohnehin sehr dürftigen – Österreichschnitt von ca. 9 %. In den Gemeinderäten (ohne Innsbruck) waren nach den Wahlen 2016 nur 767 von 3689 Mitgliedern weiblich (also knapp 21 %). Auch hier gebe also noch „sehr viel Luft nach oben“, sagt Pfurtscheller. „Frauen stellen schließlich mehr als die Hälfte der Wählerschaft, das soll sich in den demokratisch gewählten Gremien widerspiegeln.“

Die neue Kampagne unter dem Motto „Du bist die Wahl“ solle ein Denkanstoß für Frauen sein, sich politisch zu engagieren. Die VP-Frauen wollen dabei praktische Unterstützung geben, durch Online-Austauschtreffen, Seminare, Einzelcoachings für inhaltliche und persönliche Kompetenzen oder auch Hilfestellung im Wahlkampf.

„Es sollte nichts Besonderes mehr sein, dass Frauen Ämter und Positionen übernehmen“, betont Cornelia Hagele, seit 2010 im Telfer Gemeinderat und 2016 zur Vizebürgermeisterin gewählt (worauf sie anfangs zu ihrer eigenen Verwunderung laufend angesprochen worden sei). Wenn mehr Frauen in Gemeinderäten aktiv seien, erhöhe das einfach die Qualität der gemeinsamen Entscheidungen. Und: „Je mehr Frauen in höhere Positionen kommen, umso mehr andere Frauen trauen es sich zu.“

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Auf künftige Kolleginnen hofft auch Anita Siller, in Neustift derzeit die einzige Frau unter 17 Mandataren – und die erste seit Langem. „Ich hatte anfangs mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, bei uns sind viele ältere Herren im Gemeinderat“, erzählt sie. „Dann hatte ich auch noch die Frechheit, unter der Amtszeit ein drittes Kind zu bekommen. Ich musste ihnen meine Kompetenz erst beweisen.“ Dabei seien Frauen oft viel konstruktiver und lösungsorientierter. Sillers Appell: „Frauen, traut euch vor den Vorhang, wartet nicht darauf, dass wer an der Haustür klopft!“ Was sie und Hagele ebenfalls betonen: Kinderbetreuung – oft ein wichtiger Faktor beim Einstieg bzw. Verbleib in der Politik – „ist kein Frauen-, sondern ein Familienthema“, es brauche geteilte Verantwortung.

Daniela Kampfl, seit Mai neue Bürgermeisterin von Mils, schwärmt von der Herausforderung Politik: „Ich wache jeden Tag mit dem Gefühl auf, konkret etwas für die Menschen bewegen zu können“, langweilig werde es nie. Die Rahmenbedingungen für Familien würden vielerorts noch nicht passen, bestätigt auch sie. „Aber um genau das zu erreichen, braucht es eben mehr Frauen in Führungspositionen.“ (md)

7 Frauen streben Platz 1 an

Reutte – Was in Tirol als politische Forderung erhoben wird, geht im Bezirk Reutte weit über Wunschdenken hinaus. Diese Legislaturperiode waren drei Bürgermeisterinnen im Amt, in der kommenden könnten es bis zu sieben werden. Karina Konrad (Jungholz) und Waltraud Zobl (Schattwald) stellen sich wieder der Wahl. Beate Reichl aus Heiterwang macht nicht weiter.

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In Pflach ist noch nicht entschieden, ob VBM Reinhild Astl antritt. Sie will, ihr Listenkollege GV Karl Köck jedoch auch. In Vils hat soeben BM Manfred Immler erklärt, nicht weiterzumachen. Hier wird nun Carmen Strigl-Petz als sichere Aktie gehandelt. (hm)


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