Brugger zur Causa Wolf in „Tirol Live“: „Man will uns nicht hören“

Expertenkommission des Landes zu Wolf und Bär dürfte diese Woche noch einmal beraten. Obmann des Vereins „Weidezone Tirol“ Stefan Brugger fühlt sich von Politik im Stich gelassen.

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Mario Zenhäusern (l.) diskutierte mit Stefan Brugger über das Problem mit den großen Beutegreifern.
© De Moor

Innsbruck – Auf den Almen ist es ruhig geworden. Schafe und Kühe sind im Tal, viele Schafherden mussten allerdings frühzeitig abgetrieben werden. Problemwölfe und -bären haben heuer rund 300 Tiere gerissen, die Stimmung unter den Bauern ist entsprechend aufgeheizt. Sie erwarten sich von ihrer Interessenvertretung und der Politik Lösungen – sprich eine rasche Entnahme der großen Beutegreifer.

„Unsere Standesvertreter sind Politiker geworden und haben vergessen, Bauern zu sein. Sie schauen mehr auf den Koalitionspartner als auf uns“, nimmt sich der Obmann des Vereins „Weidezone Tirol“ Stefan Brugger auf „Tirol Live“ im Gespräch mit Chefredakteur Mario Zenhäusern kein Blatt vor den Mund. „Die Tiere auf den Almen werden gerissen und verenden qualvoll. Uns will man nicht hören und hilft uns auch nicht“, fühlt sich Brugger im Stich gelassen.

📽️ Video | Stefan Brugger in „Tirol Live"

Ob im Herbst noch ein Abschussbescheid erlassen wird, hängt von der Expertenkommission ab. Es entscheidet sich in den nächsten Tagen, diese Woche dürften die Experten noch einmal beraten, wie es heißt. Die Erwartungshaltung der Bauern ist groß, die Aussichten jedoch gering. Der letzte Riss liegt nämlich bereits Wochen zurück und datiert vom 18. August. Ob sich der als „K 118“ klassifizierte Wolf noch in Tirol aufhält, ist ungewiss. Verwertbare DNA-Spuren wurden noch am 26. August gefunden. Im Grenzgebiet von Tirol und Südtirol „wandert“ hingegen ein Bär.

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Mittlerweile ist jedoch durch ein Gutachten belegt, dass selbst eine Entnahme von einem, zwei oder drei Wölfen pro Jahr den ungünstigen Erhaltungszustand nicht verschlechtern, aber die Erreichung des günstigen Erhaltungszustandes wesentlich verzögern würde. Derzeit gibt es in Österreich „nur“ rund 40 Wölfe, die vorwiegend herumwandern und eine Wachstumsrate von 30 Prozent pro Jahr aufweisen. Trotzdem: „Weidezone“-Obmann Stefan Brugger fordert Taten. „Wir fordern eine ganzjährige legale Entnahme. Wir haben uns die Grünen als Koalitionspartner nicht ausgesucht.“

Die Gleichbehandlung mit Schweden (Obergrenze von 300 Wölfen) oder Finnland mit einer wolfsfreien Zone zum Schutz der Rentiere ist das große Ziel. Brugger gibt sich kämpferisch: „Wir sollten auch ein Vertragsverletzungsverfahren riskieren.“ In Schweden liegt es schon seit Jahren auf Eis.

An den ÖVP-Bauernbund richtet Brugger eine klare Warnung: „Wer jetzt nicht für uns einsteht, braucht nicht erwarten, dass wir ihn dann wieder wählen.“ Keinesfalls seien er und seine Sympathisanten gegen den Bauernbund, sondern für eine Lösung. Die Bauern seien die treuesten ÖVP-Wähler. „Deshalb erhoffen wir von unseren Vertretern, die wir gewählt haben – die Grünen waren es ja nicht –, dass sie uns jetzt nicht vergessen.“

Die geplante Zusammenarbeit mit dem von der Landwirtschaftskammer gegründeten Verein „Alm ohne Wolf“ bezeichnet Brugger schließlich als Schulterschluss gegen die von ihm verbal-rustikal als „Sau-Viecher“ bezeichneten Problemwölfe. „Schließlich ist es besser, zwei Rösser zu haben, die eine Kutsche ziehen.“ Lob hat er für Bauernkammerpräsident und VP-NR Josef Hechenberger übrig, der zuletzt durchaus kantig aufgetreten sei. Enttäuscht ist Brugger von Landeshauptmann Günther Platter (VP), der im Vorjahr noch vor einer Wolfsromantik gewarnt habe. „Aber wo ist er heute?“ (pn)

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