Pleitewelle in Tirol laut KSV noch im „Tiefschlaf“

Lockdowns und Förderungen verzögern laut KSV1870 weiter Insolvenzen von Unternehmen und Privaten.

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Experten erwarten bald eine Zunahme der Pleiten.
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Innsbruck – In den ersten neun Monaten des Jahres sind in Tirol 109 Unternehmen in die Pleite geschlittert. Das ist ein Rückgang um 21 Prozent oder 29 gescheiterte Betriebe gegenüber dem Referenzzeitraum 2020, heißt es vom KSV1870. Vergleiche man das heurige Insolvenzaufkommen mit dem letzten „normalen“ Jahr 2019, beträgt der Rückgang der Insolvenzen in Tirol über 53 Prozent. In Gesamtösterreich gab es bei den Unternehmensinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 28,4 Prozent.

Bereits 2020 gab es bundesweit ein historisch niedriges Insolvenzniveau, welches heuer nochmals deutlich unterschritten werde. Aufgrund der breit aufgestellten Unterstützungsmaßnahmen der öffentlichen Hand für die heimischen Unternehmen seien die Abläufe eines funktionierenden, freien Marktes grundlegend verändert worden, heißt es. Seit dem Beginn der Pandemie finde eine Marktbereinigung nur noch in einem sehr eingeschränkten Umfang statt. Dies sei ein Risiko für den Standort Tirol.

Für Klaus Schaller, Regionalleiter der Region West des KSV1870, ist „die Entwicklung ab April in Tirol etwas bewegter“: „Mit 42 Insolvenzen im 2. Quartal und 48 Insolvenzen im 3. Quartal zeigt der Trend deutlich nach oben. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist diese Entwicklung zu begrüßen, da nunmehr wieder wirtschaftlich äußerst schwach aufgestellte Unternehmen den Markt verlassen müssen. Verbleiben eigentlich nicht überlebensfähige Unternehmen durch künstliche Eingriffe von außen langfristig am Markt, besteht die Gefahr, dass diese strauchelnden Betriebe durch eine ruinöse Preisgestaltung auch eigentlich wirtschaftlich stabile Unternehmen in ihrer Existenz gefährden.“

Auch Privatpersonen versuchen in Tirol wieder verstärkt, ihre Schulden im Wege eines Insolvenzverfahrens zu regulieren. 327 eröffnete Insolvenzverfahren von Privatpersonen an Tiroler Bezirksgerichten seien gleichbedeutend mit einer Zunahme um 19 Verfahren oder 6,2 Prozent im Vergleich zu 2020, heißt es vom KSV. Schaller rechnet im Jahresverlauf und auch 2022 mit einem deutlichen Anstieg an Privatinsolvenzen. (ver)

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