Krach zwischen Thaur und Rum wegen Aushubdeponie

BM Walser befürchtet Lkw-Belastung in Thaur durch die geplante Verlängerung einer Aushubdeponie in Rum. Diese sei für Rumer Aushub gedacht, kontern die Nachbarn.

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Erweiterung geplant: Die Hangkante der Rumer Deponie soll mittels Bodenaushub stabilisiert werden.
© Domanig

Rum, Thaur – Die atmosphärischen Spannungen zwischen den Nachbargemeinden Rum und Thaur auf Polit-Ebene nehmen weiter zu. Jüngster Anlass: Die Marktgemeinde Rum sucht beim Land derzeit um Verlängerung und Erweiterung einer Bodenaushubdeponie nördlich des Canisiusbründls an. Die aktuelle Bewilligung läuft bis Ende 2024, sie soll nun um 20 Jahre bis Ende 2044 verlängert und die Gesamtkapazität um 200.000 m3 erweitert werden. Das Antragsverfahren läuft.

Harsche Kritik kommt dazu vom Thaurer Bürgermeister Christoph Walser: Ihm gehe es um die Frage der Zufahrt, also die Anlieferung des Bodenaushubs per Lkw. Er rechnet damit, dass diese großteils über Thaurer Gemeindegebiet (Hall-West – Kreisverkehr – Auweg und weiter über die Dörferstraße nach Rum) erfolgen werde. Doch Thaur sei „nicht bereit, eine Mehrbelastung durch Lkw zu schlucken“. Die Anrainer am Auweg würden „jetzt schon im Verkehr ersticken“, Lärmbelastung sei ein Riesenthema. „Es hätte immer wieder die Chance gegeben, eine eigene Zufahrt auf Rumer Boden, etwa im Bereich Römerweg, zu errichten. Aber das trauen sie sich nicht, weil es die eigenen Bürger betreffen würde.“ Thaur habe im Bescheidverfahren zur Deponie keine Parteienstellung, ergänzt Walser: „Aber wir werden uns politisch wehren.“

Walser ist derzeit generell nicht gut auf die neue Rumer Gemeindeführung – BM Josef Karbon ist seit Frühjahr im Amt – zu sprechen: Erst habe Rum die fertig ausverhandelte dörferübergreifende Buslinie platzen lassen. Zudem habe die Nachbargemeinde bisher die Abholung des Thaurer Biomülls mitübernommen, dies aber jetzt eingestellt. „Zukunftsprojekte sind offenbar nicht erwünscht“, ärgert sich Walser. Und nun komme eben die Deponieverlängerung ohne Absprache hinzu.

In Rum lösen diese Vorwürfe nur heftiges Kopfschütteln aus: „Es wird zu keiner Veränderung oder Mehrbelastung kommen“, betont BM Josef Karbon, „wir betreiben die Aushubdeponie wie bisher moderat in kleinen Schüttungen weiter.“ Die Deponie sei für Bodenaushub aus Rum gedacht, stellt Amtsleiter Christian Braito klar, „wir karren nichts von woanders her, ich kann die Thaurer beruhigen“. Jeder Rumer Häusl- bauer sei froh, wenn er in Rum deponieren könne. „Kein großer Bau hat bisher hier abgeladen“, bekräftigt Karbon und weiter: „Wir sind als Gemeinde selbst Betreiber, es geht uns also nicht darum, ein Geschäft zu machen oder die Deponie schnellstmöglich zu füllen.“

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Hintergrund sei vielmehr, dass im Bereich der Deponie, einer ehemaligen Schottergrube, eine große Hangkante zum Wald hin besteht, die mit dem Bodenaushub gesichert und stabilisiert werden solle, erklärt Braito: „Wir wollen einen flachen Hangkörper schaffen, damit dort nichts mehr abrutschen kann, und die Oberfläche so gestalten, dass sie dem angrenzenden Wald entspricht.“ Braitos Fazit: „Es ist sogar genau umgekehrt: Wenn wir die Erweiterung nicht machen, müssten wir mit den Lkw über Thaur fahren – nämlich um den Aushub zu irgendeiner anderen Deponie zu bringen.“

Karbon sieht die Vorwürfe als „politische Geschichte“, Walser wolle von eigenen Problemen ablenken und versuche zugleich offenbar, „den Druck auf mich zu erhöhen“.

Genauso sei das auch in der Frage der Biomüll-Abholung: Diese habe Rum jahrzehntelang zum Selbstkostenpreis für Thaur mitübernommen. Nun habe man ein neues Müllauto angeschafft, das durch die vielen engen Gassen in Thaur nicht durchkomme. „Wir haben das früh genug angekündigt – und hätten den Thaurern das alte Müllauto sogar geschenkt.“ (md)


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