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Mythen um das Hymen: Die große Mär vom Jungfernhäutchen

Es scheitert bereits an der Namensgebung. Denn das Jungfernhäutchen hat nichts mit Jungfräulichkeit zu tun. Und obwohl es sich um einen Mythos handelt, spielt das Hymen in vielen Kulturen eine gesellschaftliche Rolle.

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Obwohl das Jungfernhäutchen mehr Mythos als Realität ist, hat es in vielen patriarchalen Kulturen eine gesellschaftliche Relevanz.
© iStock

Von Nicole Strozzi

Es gibt Erzählungen, die halten sich selbst in aufgeklärten Zeiten hartnäckig. Etwa jene vom Jungfernhäutchen. In der Vorstellung vieler verschließt das Hymen wie eine Folie den Vaginaleingang und reißt beim ersten Geschlechtsverkehr ein. „Das ist falsch“, betont Hanna Hosa, Assistenzärztin an der Uniklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin Innsbruck und Teil des Teams der „First Love Ambulanz“. Es gibt weder Häutchen noch Verschluss, noch reißt irgendetwas ein.

Blutiges Laken als Beweis

„Beim Hymen handelt es sich um einen dünnen Gewebssaum. Dieser kann verschiedene Formen haben und u. a. ringförmig oder sichelförmig sein. Der Schleimhautsaum ist meist von Beginn an geöffnet, weil Menstruationsblut oder Scheidenflüssigkeit abrinnnen müssen“, erklärt Hosa. Nur in seltenen Fällen sei dieser Schleimhautsaum komplett verwachsen. „Diese Frauen stellen sich meist bei der ersten Regelblutung mit starken Schmerzen vor. Das Hymen muss eröffnet werden.“

Mythos 1

Das „Jungfernhäutchen“ bzw. Hymen (altgr. „Haut“) ist eine Haut. Falsch. Es handelt sich um eine Art Schleimhautsaum, der wie ein kleiner Kranz die Öffnung der Scheide umrahmt. Es gibt gar keine Haut, die den Vaginaleingang verschließt.


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