Sebastian Kurz zum zweiten Mal jüngster Ex-Kanzler

Kurz' zweite Amtsperiode war mit 641 Tagen etwas länger als die erste. In Summe war er länger im Amt als Sinowatz, aber kürzer als Schüssel und Klaus.

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In Summe kommt Sebastian Kurz auf derzeit 1167 Amtstage als Kanzler.
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Wien – Der bisher jüngste Kanzler der zweiten Republik wird nun schon zum zweiten Mal der jüngste Altkanzler: Konfrontiert mit Korruptionsvorwürfen ist Sebastian Kurz (ÖVP) am Samstag seiner Abberufung durch den Nationalrat zuvorgekommen und zurückgetreten. Mit 641 Tagen ist Kurz' zweite Amtsperiode etwas länger als die erste (526 Tage). In Summe kommt der 35-Jährige auf derzeit 1167 Amtstage – der 8. Platz unter den bisher 15 Regierungschefs der Zweiten Republik.

Zum ersten Mal abtreten musste Kurz, weil der Nationalrat die türkis-blaue Regierung nach der Ibiza-Affäre und dem Ende der türkis-blauen Regierung am 27. Mai 2019 abgewählt hatte. Damals übernahm ein von Brigitte Bierlein geführtes Expertenkabinett die Regierungsgeschäfte. Nach dem ÖVP-Wahlsieg und der Verhandlung einer Koalition mit den Grünen kehrte Kurz am 7. Jänner 2021 ins Kanzleramt zurück.

Nicht weniger turbulent als das Ende der ersten verläuft nun auch das Ende der zweiten Amtszeit des früheren ÖVP-Jungstars: Konfrontiert mit Korruptionsvorwürfen kam Kurz seiner Abwahl durch den Nationalrat zuvor und trat zurück. Insgesamt hat Kurz knapp über drei Jahre im Kanzleramt verbracht - etwas länger als der frühere SP-Kanzler Fred Sinowatz, aber deutlich kürzer als die ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel (knapp sieben Jahre) und Josef Klaus (sechs Jahre).

Der bisher längst dienende Bundeskanzler war Bruno Kreisky (SPÖ), der von April 1970 bis Mai 1983 – etwas mehr als 13 Jahre – die SPÖ-Alleinregierungen anführte. Kreisky hatte allerdings schon wesentlich mehr Erfahrung gesammelt, als er Regierungschef wurde: Er wurde mit 59 zum ersten Mal angelobt. Auf die zweitlängste Amtsperiode kommt Franz Vranitzky (SPÖ) mit zehneinhalb Jahren im Kanzleramt vor Julias Raab (ÖVP) mit acht sowie Werner Faymann (SPÖ) und Leopold Figl (ÖVP) mit jeweils über sieben Jahren.

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Figl war mit 43 Jahren auch der vor Kurz jüngste Bundeskanzler der Zweiten Republik. Er wurde 1945 angelobt und war der erste reguläre Bundeskanzler der nach 1945. Zuvor hatte Karl Renner (SPÖ) die provisorischen Regierungsgeschäfte als „Staatskanzler" geführt.

Renner war mit gut sieben Monaten auch einer der bisher kürzest dienenden Regierungschefs der Zweiten Republik. Noch kürzer war nur Brigitte Bierlein im Amt, die Übergangskanzlerin nach der Ibiza-Affäre. Kurz' unmittelbarer Vorgänger Christian Kern (SPÖ) brachte es auf etwas über eineinhalb Jahre.

Nicht einbezogen wurden in der Rangliste die nach Rücktritten provisorisch mit der „Fortführung der Geschäfte" betrauten Regierungschefs. Hier trägt Hartwig Löger die rote Laterne: Der ÖVP-Finanzminister sprang nach Kurz' Amtsenthebung bis zur Angelobung von Bierleins Beamtenregierung ein – und war nur sechs Tage, von 28. Mai bis 3. Juni, im Amt. Zwei Tage länger war ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner 2016 provisorischer Bundeskanzler: Als Werner Faymann zurücktrat, wurde er am 9. Mai 2016 mit der Fortführung der Geschäfte betraut – bis am 17. Mai Christian Kern angelobt wurde. (APA)

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