Schatzkammer der Götter: Archäologische Funde in Fließ

Kostbarkeiten aus drei Jahrtausenden gehören dem Museumsverein Fließ, der 30 Jahre alt wird. So mancher Schatz kostete ein Auto, ist aber so viel mehr wert.

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Der hallstattzeitliche Bronzehort von Fließ ist einer der größten Depotfunde aus dieser Zeitperiode im Ostalpenraum.
© Helmut Wenzel

Von Matthias Reichle

Fließ – Alles begann mit einem aufmerksamen Fließer Bauern. Josef Kathrein wollte im Oktober 1990 eine neue Einfahrt für seinen Stadel bauen. Mit der Schaufel stieß er in 1,5 Metern Tiefe plötzlich auf Metall – genauer gesagt Bronze. Armreifen, Fibeln, Gefäße, Werkzeuge und Waffen: Insgesamt 385 Stück lagen unter der Erde. Es zeigte sich, dass der Schatz, der da ans Tageslicht kam, 2600 bis 2700 Jahre alt war.

Schon bald meldeten sich Interessenten von weither, die die wertvollen Stücke gern in ihren Besitz gebracht hätten, beim Finder. „Ich habe mir gedacht, es muss doch möglich sein, den Fund mithilfe von öffentlichen Förderungen in Fließ zu behalten“, erinnert sich der ehemalige Fließer Dorfarzt Walter Stefan. Es war die Geburtsstunde des Museumsvereins Fließ, der im Oktober 1991 aus der Taufe gehoben wurde – vor genau 30 Jahren.

Der Bronzehelm stammt vom Moosbruckschrofen.
© Museum Fließ

Heute wacht der Verein über archäologische Schätze aus drei Jahrtausenden. Mit dem so genannten Kathreinfund war es nämlich nicht getan – die sensationellen Entdeckungen in Fließ rissen nicht ab. Die Gemeinde zeigte sich als wahre Fundgrube für „Schatzsucher“. Bereits ein Jahr später stießen Bildhauer Kassian Erhart und Sägewerksbesitzer Franz Neururer auf der Pillerhöhe auf einen prähistorischen Brandopferplatz, an dem seit dem 15. Jahrhundert vor Christus den Göttern geopfert wurde. Wieder war es Franz Neururer, der im Mai 2001 einen gewaltigen bronzezeitlichen Opferschatz am Moosbruckschrofen entdeckte, der dort zwischen 1550 und 1300 vor Christus deponiert wurde. Für den Innsbrucker Archäologie-Professor Gerhard Tomedi ist es „das Beste nach Ötzi“, das da ans Tageslicht kam. Der Archäologe hatte die Funde geborgen und sich dabei gefühlt wie „Dagobert Duck, wenn er ein Geldbad nimmt“.

Seither ist der Museumsverein reich – reich an Schätzen. Denn was ist das alles wert? „Ideell ist das ein großer Wert, das ist unbezahlbar und macht Fließ und die Region zu etwas Besonderem“, meint Walter Stefan, der bis heute Obmann des Museumsvereins ist. Alle drei Funde befinden sich inzwischen im Besitz des Vereins bzw. der Gemeinde. Und der reelle Wert? Der Kathreinfund zum Beispiel wurde den Erben des Finders um den Wert eines Autos abgelöst“, so Stefan. „Wenn man sich mit dem Geld tatsächlich ein Auto gekauft hat, ist es heute nichts mehr wert, die Funde hingegen bleiben.“

Bei Ausgrabungen am Brandopferplatz auf der Pillerhöhe wurde zum Beispiel die Figur aus der jüngeren Eisenzeit entdeckt.
© Museum Fließ

Das Lieblingsstück des Museumsobmanns ist übrigens der bronzezeitliche Helm eines Kriegerhäuptlings, der ebenfalls am Moosbruckschrofen gefunden wurde. Es ist einer der ältesten erhaltenen Helme Europas. Mit rund 1000 anderen Kostbarkeiten ist er heute im Fließer Museum ausgestellt. Noch mehr lagern im Tresor. „Wichtig ist, dass es gelungen ist, die Funde in der Region zu behalten“, sagt Stefan. Nur so kann man sie auch zeigen.

Stefan hat nun zum Jubiläum ein Buch geschrieben. In „Opfer für die Götter“ erzählt er für den Laien verständlich und spannend aufbereitet über die Fließer Schatzsuche. Viel Platz räumt er den Schätzen ein, die eines gemein haben. „Es handelt sich bei allen Funden um Gaben an Gottheiten“, erklärt er. Reiche und wunderschöne Schätze, die geopfert wurden. „Wer sagt, dass das Barbaren waren, soll sich die Arbeiten anschauen. Wer solche Spiralen macht, versteht etwas von Geometrie“, so Tomedi.

© Museum Fließ

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