Schwestern nach 76 Jahren in Innsbruck wiedervereint

Dank der Archive des Tiroler Landesarchivs konnten sich drei Schwestern nach 76 Jahren Trennung kürzlich in Tirol in die Arme schließen.

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Heide Kausek-Kaminski, Cornelia Macrina und Beate Baker beim Wiedersehen (v. l.).
© Eiter

Innsbruck – Die Arbeit eines Archivars stellt man sich nüchtern vor. Doch vor einer Woche wogte durch das Tiroler Landesarchiv eine Welle der Emotion: Zwei 80-Jährige trafen das erste Mal mit ihrer 76-jährigen Halbschwester zusammen – nach 76 Jahren. Archivar Meinhard Eiter erzählt, wie er und sein Kollege Martin Ager aufgrund ihrer Recherchen das Treffen ermöglicht hatten. „Wir erhielten eine E-Mail von Beate Baker aus Los Angeles, die uns fragte, ob wir Informationen über ihre Halbschwester Cornelia Kausek hätten.“

Beate Baker, als Kausek in Innsbruck geboren, war mit 22 Jahren in die USA ausgewandert, ihre Zwillingsschwester Heide nach Spanien. Sie stammten aus der zweiten Beziehung ihrer Mutter Hildegard Kausek, deren erster Mann im Krieg fiel. Die beiden Töchter aus erster Ehe sind verstorben, die Zwillinge konnten sie noch treffen. Hildegard Kausek war in Liebesdingen kein Glück beschieden, auch der Vater der Zwillinge kehrte nicht aus dem Krieg heim. 1945 verliebte sich die Mutter neuerlich, Cornelia, die aus der Liaison entstand, gab die Alleinerzieherin zur Adoption frei. Hildegard Kausek sprach nie über diesen schmerzlichen Schritt. Baker hatte das Baby als Vierjährige im Arm gewiegt. „Ich denke ewig nach, wie ich sie finden könnte“, schrieb Baker in ihrer ersten E-Mail.

Komplexe Familiensituation

„Die Familiensituation war sehr komplex, wir wussten aber, dass die Halbschwester Cornelia von Südtirolern adoptiert wurde“, erzählt Eiter. Es handelte sich um Optanten, die später nach Südtirol zurückkehrten. Cornelia Kausek arbeitete jahrelang als Lehrerin in Nordtirol. Mittlerweile lebt sie als Cornelia Macrina in Südtirol. „Ihr Mann war Carabiniere am Brenner, sie haben sich bei der Passkontrolle verliebt“, sagt der Archivar. Letztlich konnte Cornelia Macrina auch mithilfe des Südtiroler Landesarchivs gefunden und die Verbindung zu den Zwillingen aufgebaut werden.

„Die 80-Jährigen sind sehr rüstig, die eine ist aus Nordspanien, die andere aus den USA angereist. Getroffen haben sich alle bei uns im Landesarchiv“, so Eiter. Die Frauen seien überwältigt gewesen. Es wurden Pläne für die Zukunft geschmiedet: Ein großes Familientreffen soll bald stattfinden. Ein Saal wird nötig sein: Heide Kausek-Kaminski (Spanien) hat vier Kinder und sieben Enkel, Baker (USA) drei Kinder und vier Enkel, die Südtirolerin Cornelia Macrina zwei Kinder, sechs Enkel.

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Die Verständigung dürfte kein Problem sein. Das Wort für Gefühl, das beim Wiedersehen dominierte, klingt in allen Sprachen ähnlich: emotion, emoción, emozione. (pla)


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