25 Jahre Fox News: Ein Sender in Symbiose mit Donald Trump

Liberale Amerikaner verachten den konservativen Kanal, seinem Erfolg tut das keinen Abbruch: 25 Jahre nach dem Start ist Fox News der erfolgreichste Sender im US-Kabelnetz.

  • Artikel
  • Diskussion
Fox-Moderator Hannity beim Besteigen des Hubschraubers von Ex-Präsident Trump im Juni 2020.
© AFP/Loeb

Washington – Als konservatives Experiment ging Fox News vor 25 Jahren (am 7. Oktober 1996) auf Sendung. Der Werbeslogan lautete damals: „fair und ausgewogen“. Medienmogul Rupert Murdoch wollte ein Gegengewicht zu liberalen Kanälen wie CNN schaffen. Und er hatte durchschlagenden Erfolg. Seit Langem ist Fox News der mit Abstand erfolgreichste Fernsehsender im Kabelnetz der USA. Von fairer und ausgewogener Berichterstattung kann aus Sicht von Kritikern allerdings keine Rede sein: Weltweit bekannt wurde Fox News als Sprachrohr von Donald Trump. Der vor knapp einem Jahr abgewählte Präsident erwägt eine erneute Kandidatur – bei der im Erfolgsfall auch für Fox News eine Art Rückkehr an die Macht stehen könnte.

Kein Fernsehsender auf dem Globus dürfte während Trumps Amtszeit einflussreicher gewesen sein als Fox News. Die Webseite Media Matters for America, die sich die Beobachtung konservativer Medien auf die Fahnen geschrieben hat, machte eine „Trump-Fox-Rückkopplungsschleife“ aus: Nach ihrer Statistik setzte Trump alleine im Jahr 2019 insgesamt 657 Tweets in direkter Reaktion auf Fox News oder den Schwestersender Fox Business ab. Trump war nicht nur ein eifriger Zuschauer, seine Politik wurde häufig durch den Sender inspiriert, der dann wiederum lobend über ihn berichtete. Keinem Medium gab Trump mehr Interviews als Fox News, manchmal rief er spontan in der Frühsendung an. Auch personell war die Grenze zwischen dem Weißen Haus und Fox News durchlässig. Mitarbeiter des Senders wechselten in die Regierung, ausgeschiedene Regierungsmitarbeiter heuerten wiederum bei Fox News an – heute kommentiert in dem Sender unter anderem Trumps frühere Sprecherin Kayleigh McEnany die politischen Ereignisse.

Vor allem die prominenten Fox-News-Moderatoren am Abend schienen sich zeitweise eher als Wahlkampfhelfer denn als Journalisten zu begreifen. Besonders deutlich wurde das vor den Kongresswahlen 2018, als Star-Moderator Sean Hannity – dem ein gigantischer Einfluss auf Trump nachgesagt wird – in Missouri gemeinsam mit dem Präsidenten auf der Bühne stand.

Der Kolumnist Max Boot kommentierte schon 2017 im Magazin Foreign Policy: „Fox News hat seine Wandlung zu Trump-TV abgeschlossen.“ Der CNN-Medienjournalist Brian Stelter beschrieb den Sender in einem Buch im vergangenen Jahr als „Propagandamaschine, wie sie die Vereinigten Staaten nie zuvor gesehen hatten“.

Trumps frühere Sprecherin Stephanie Grisham – die in ihrer neunmonatigen Amtszeit nie eine Pressekonferenz abhielt – sagte CNN kürzlich, Fox News sei der Sender gewesen, um Informationen meist ohne kritische Nachfragen verbreiten zu können. Trumps „Propagandanetzwerk mit wenig Rücksicht auf die Wahrheit“ (Ex-Präsident Barack Obama) konnte eines freilich nicht verhindern: die Wahlniederlage des Republikaners im Vorjahr. Letztlich musste auch Fox News anerkennen, dass der Demokrat Joe Biden die Präsidentenwahl gewonnen hatte. Trump kritisierte damals zwar auch seinen Haussender scharf und forderte seine Anhänger dazu auf, stattdessen obskure rechte Spartensender wie Newsmax oder OAN einzuschalten. Letztlich weiß der Ex-Präsident aber, dass er eine breite Basis seiner Anhänger ohne Fox News nicht erreichen kann. Fox-News-Zuschauer sind extrem loyale Trump-Anhänger. Nicht nur identifizierten sich in einer Umfrage des Instituts Pew vom Vorjahr 93 Prozent derjenigen US-Amerikaner, deren wichtigste Quelle Fox News ist, als Anhänger der Republikaner. In einer früheren Umfrage des Forschungsinstituts PRRI sagten 55 Prozent jener Republikaner, die ihre Informationen vor allem von Fox News beziehen, Trump könne nichts tun, um ihre Zustimmung zu verlieren.

So ist es nicht verwunderlich, dass Trump und sein Umfeld zwar bei Sendern wie CNN weitgehend vom Bildschirm verschwunden sind, nicht aber bei Fox News. Die Washington Post hat mitgezählt: Seit Trumps Ausscheiden aus dem Amt am 20. Jänner sind frühere Mitarbeiter seiner Regierung demnach in mehr als 60 Prozent der rund 160 Ausgaben der Talkshow Hannitys aufgetreten. Mitglieder der Trump-Familie waren in knapp 30 Prozent der Folgen zur besten Sendezeit zu sehen, wie die Zeitung berichtete. Die Show ähnele „einer Art Trump-Exilregierung“. Seit seinem Ausscheiden gab Trump Hannity und anderen Fox-News-Moderatoren zahlreiche Interviews. Kritische Fragen muss Trump dabei nicht fürchten, stattdessen bekommt er eine Bühne, um seinen Nachfolger anzugreifen. Offiziell hat Trump seine Kandidatur bei der Präsidentenwahl 2024 noch nicht erklärt, er kokettiert aber damit. „Ich denke nicht, dass wir eine Wahl haben werden“, sagte er im vergangenen Monat dazu – natürlich in einem Interview mit Fox News. (dpa/Merey, TT)


Kommentieren


Schlagworte