Empörung über „Nicht gebraucht"-Plakate: Kritik auch von Mückstein und Hofer

In einigen Städten kam es zu Beschwerden über die Plakate. Das Beratungszentrum „Bizeps" beklagt eine „widerliche Provokation". Der Behindertenrat sieht Gefahr von Retraumatisierung. Sozial- und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) schließt sich der Kritik an.

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Die Plakate sorgen für Unmut. Am 21. Oktober sollen sie aufgelöst werden.
© Twitter/BIZEPS

Wien – Auch Sozial- und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) schließt sich der Kritik von Behindertenorganisationen an einer neuen Werbekampagne an. Seit kurzem sind in einigen Städten - unter anderem in Haltestellenhäuschen in Wien - Plakate etwa mit dem Slogan „Mit einer Behinderung wirst du NICHT gebraucht“ zu sehen. Er stelle sich mit aller Deutlichkeit gegen diese diskriminierende, verletzende und potenziell re-traumatisierende Werbung, betonte er via Twitter.

„Es ist nicht im Sinne einer inklusiven, diversen Gesellschaft auf diese Art und Weise Aufmerksamkeit zu erregen. Wir brauchen noch viel mehr Sensibilisierungsarbeit in Österreich, damit so etwas nicht passiert. In diesem Sinne rufe ich die Urheber dieser Kampagne auf, besagte Sujets zeitnah zu entfernen“, forderte Mücksein ein Aus für die Kampagne.

„Diese Kampagne einer Supermarktkette provoziert auf Kosten eines Werbeeffektes derzeit auf eine widerliche Art und Weise Menschen mit Behinderung und deren Angehörige“, empörte sich der FPÖ-Abgeordnete Norbert Hofer. Als jemand, der die Hürden, aber auch die daraus resultierenden Chancen einer Behinderung persönlich kennt, empfiehlt der Dritte Nationalratspräsident den Verantwortlichen, zum Beispiel einmal das Rehabilitationszentrum „Weißer Hof“ zu besuchen: „Der direkte, menschliche Kontakt würde die notwendige Portion Empathie entwickeln, um von einer derartigen Kampagne die Finger zu lassen. Menschen mit Behinderung sind weder unbrauchbar, noch haben sie es sich verdient, derart beleidigt zu werden.“

Behindertenorganisationen erbost

Behindertenorganisationen hatten sich am Montag erbost gezeigt. So sprach das Beratungszentrum „Bizeps“ von einer „kalkuliert widerlichen Provokation“. Es gebe bereits Rückmeldungen von erbosten Menschen, hieß es. Bizeps-Vertreter Martin Ladstätter berichtete: „Angeblich sollen diese Werbeplakate noch bis 21. Oktober hängen und dann ‚aufgelöst‘ werden.“ Doch der Schaden, so warnte er, könnte bereits angerichtet worden sein: „Das, was Menschen ohnehin schon denken, wird bestätigt und brennt sich durch täglichen Sichtkontakt weiter ein. Keine Wendung kann so stark sein, um diese Aussagen zu neutralisieren.“

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Bizeps hat laut eigenen Angaben unter anderem Beschwerde beim Österreichischen Werberat eingebracht. Man habe auch die Gewista gebeten, die die Kampagne im Auftrag des noch unbekannten Urhebers der Plakate durchführt, für eine raschere Auflösung zu sorgen.

Es sei nicht zu rechtfertigen, dass Menschen mit Behinderung diesen verachtenden Satz für rund zwei Wochen lesen müssten, befand auch der Präsident des österreichischen Behindertenrats Michael Svoboda. „Sie werden nämlich damit öffentlich als unbrauchbar dargestellt. Zu oft hören Menschen mit Behinderungen diskriminierende Aussagen wie diese - diese Kampagne retraumatisiert sie.“

Auch die Organisation Lichterkette, eine Betroffenenvertretung von Menschen mit psychosozialer Behinderung, übte am Dienstag in einer Aussendung Kritik. Es gebe kein unbrauchbares Leben, wurde betont: „Die gefühlte Minderwertigkeit dieser wird durch diesen Schriftzug bestätigt. Er traumatisiert.“ (APA)


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