Eine stark getrübte Berg-Bilanz, 51 Tote im Sommer in Tirol

Die Zahl der Alpinunfälle hat diesen Sommer im Vergleich zum Vorjahr zwar abgenommen, liegt aber weit über dem Zehn-Jahres-Mittel. Dabei starben heuer in Tirol von Mai bis Oktober 51 Menschen.

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Insgesamt waren in diesem Sommer österreichweit rund 3864 Menschen in einen Alpinunfall verwickelt.
© APA/Bergrettung

Innsbruck, Wien – Viel Regen, Nebel, tiefe Temperaturen. Das Wetter lud im heurigen Sommer nur begrenzt zum Erkunden der heimischen Bergwelt ein. Vermutlich auch deshalb hat die Zahl der Alpinunfälle im Vergleich zum Vorjahr abgenommen, liegt allerdings immer noch weit über dem Zehn-Jahres-Schnitt. Besonders oft verunglückten die Menschen beim Wandern, Radfahren und Mountainbiken. Zwischen Mai und Oktober starben heuer in Tirol 51 Menschen und damit um 15 mehr als im vergangenen Jahr.

Selbstüberschätzung und Erschöpfung, mangelnde Tourenvorbereitung oder einfach Unwissenheit sind laut dem Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS), welches gestern die diesjährige Sommer-Berg-Bilanz veröffentlichte, die häufigsten Gründe für Stürze und Co. Hierzulande gab es heuer 1381 Unfälle (2020: 1506; Zehn-Jahres-Mittel: 1114) mit 1612 Beteiligten (2020: 1776; Zehn-Jahres-Mittel: 1349). Bundesweit waren es 3231 Unfälle (2020: 3360; Zehn-Jahres-Mittel: 2592) mit insgesamt 3864 Beteiligten (2020: 4082; Zehn-Jahres-Mittel: 3135).

Die mit Abstand meisten Männer und Frauen verunfallten beim Wandern und Bergsteigen. In Tirol waren es 830, wovon 26 starben. Das Radfahren in seinen diversen Facetten liegt in dieser Statistik auf Platz zwei. „Besonders mit dem E-Bike gab es einen noch vor wenigen Jahren für unmöglich gehaltenen Boom“, sagt Peter Paal, Präsident des ÖKAS. „Jeder, der sich mit dem Fahrrad im alpinen Raum bewegen möchte, kann nun auch mit guten Chancen höher gelegene Ziele erreichen. Besonders älteren Jahrgängen und weniger Trainierten hat das E-Bike alpine Ziele eröffnet, mit denen viele wohl nicht mehr oder überhaupt nie gerechnet haben.“ Dieser Trend hat jedoch auch eine Schattenseite. Am häufigsten waren Unfälle beim (Mountain-)Biken laut ÖKAS auf Herz-Kreislauf-Probleme zurückzuführen.

© APA

Beim Klettern verunfallten heuer bundesweit 332 Menschen, elf starben, davon sieben auf einem Klettersteig, drei davon, weil sie nicht gesichert waren. Stürze in eine Gletscherspalte wurden in diesem Sommer vier registriert, bei keinem gab es Tote. Besonders spektakulär war in diesem Bereich der Fall eines Deutschen, welcher im August am Kesselwandferner mit einem Presslufthammer aus einer Eiskluft geborgen werden musste. Der 36-Jährige war zwar unterkühlt, ansonsten aber unversehrt.

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Auch wenn es heuer weniger Notsituationen am Berg gab, waren die Retter enorm gefordert, weiß auch Stefan Hochstaffl, Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes. „Etwa zwei Drittel der Einsätze ereigneten sich zwischen Montag und Freitag, was für uns als freiwillige Organisation eine große Herausforderung darstellt.“ Hochstaffl appelliert daher an alle Bergsportler, „sich umfangreich vorzubereiten. Die Grundfitness und das Können müssen realistisch eingeschätzt und die Wettervorhersage ernst genommen werden.“

Dem pflichtet Hans Ebner, Leiter der Alpinpolizei, bei. Wer sich auf Gipfeln und Graten bewege, solle zudem wissen, was er im Fall des Falles zu tun habe. „Dazu gehört die erforderliche Notfallausrüstung im Rucksack und die am Handy gespeicherte Notrufnummer“, sagt Ebner. „Vorbereiten und Planen hilft.“

Zahlen und Fakten für Tirol

  • starben zwischen Mai und Oktober dieses Jahres in Tirol bei Zwischenfällen im alpinen Gelände. Das sind 15 mehr als im Vorjahr (36) und in etwa so viele wie im Zehn-Jahres-Mittel (52). Bundesweit wurden in dieser Statistik heuer 143 Tote erfasst, im Jahr 2020 waren es noch 128.
  • sind nach wie vor die Disziplinen, bei denen die meisten Menschen tödlich verunglücken (71). Auf dem unrühmlichen zweiten Platz liegt das Mountainbiken, bei dem im heurigen Sommer 14 Menschen starben, was im Vergleich zum Zehn-Jahres-Mittel (sechs) einen enormen Anstieg bedeutet.
  • mit 1612 Beteiligten gab es heuer in Tirol. Diese Zahlen sanken zwar im Vergleich zum Vorjahr (Unfälle: 1506; Beteiligte: 1776), liegen aber weit über dem langjährigen Mittel (Unfälle: 1114; Beteiligte: 1349)
  • war bundesweit der Monat mit den meisten Verunfallten (1071), gefolgt von Juli (956), September (810) und Juni (723).

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