Nach Kurz-Rücktritt Rochade auch bei den „Prätorianern“

Kurz-Vertrauter Gerald Fleischmann ist nicht mehr Medienbeauftragter – und ebenso im Urlaub wie der bisherige Kanzler-Sprecher Johannes Frischmann.

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Gegen Kurz, Fleischmann (Zweiter) und Frischmann (Dritter) wird ermittelt – ebenso gegen Bonelli (Vierter), aber in einer anderen Causa.
© APA/Schlager

Von Serdar Sahin

Wien – „Ich bin einer deiner Prätorianer, der keine Probleme macht sondern löst.“ Thomas Schmid, damals Generalsekretär im Finanzministerium, schrieb das 2016 an den damaligen Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP), wie aus der Anordnung zur Hausdurchsuchung hervorgeht. Der Korruptionsskandal hat nun auch Konsequenzen für die „Gardisten“ des Ex-Kanzlers.

Gerald Fleischmann, Beschuldigter im aktuellen Verfahren und langjähriger Weggefährte von Kurz, ist nicht mehr Medienbeauftragter im Kanzleramt. Er geht vorerst auf Urlaub, hieß es gestern. Was er macht, wenn er wieder zurück ist, ist noch unklar. Aus ÖVP-Kreisen hieß es, das müsse mit dem Koalitionspartner geklärt werden. Bei den Grünen war man überrascht darüber, wusste man doch gestern noch nichts davon. Fleischmanns Posten übernimmt jedenfalls Shilten Palathunkal.

Bemerkenswert ist, dass der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) offenbar nicht weiß, wer Fleischmann – einer der wichtigsten Berater von Kurz – ist. „I kenn den goa net. I glaub’, des is der Rothaarige“, sagte Schützenhöfer gestern in Ö1.

Ermittelt wird ebenso gegen Johannes Frischmann, bisher Kurz’ Sprecher. Frischmann ist jener, der Schmid schrieb: „Ich bleibe loyal. Ich zähle zum kleinen Orchester auf der Titanic, das bis kurz vor dem Untergang gespielt hat.“ Auch Frischmann macht jetzt Urlaub. Möglich ist, dass er danach in den Klub zu Kurz wechselt. Kurz-Berater Stefan Steiner (ebenso Beschuldigter) bleibt laut APA in der Parteizentrale.

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Bernhard Bonelli, Beschuldigter in einer anderen Causa, ist weiterhin Kabinettschef – jetzt für den neuen Kanzler Alexander Schallenberg (ÖVP).

Im Korruptionsskandal geht es um frisierte Umfragen, bestellte Berichterstattung in einem Boulevardblatt im Gegenzug für Inserate. Diese Anzeigen sollen per Scheinrechnungen vom Finanzministerium, also vom Steuerzahler, bezahlt worden sein.


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