Baustelle Pavillon vor dem Landestheater: Kulturinsel will Plattform werden

Georg Willis Ideenwettbewerb bringt nur ein Konzept hervor. Aus „Reich für die Insel“ soll der „Kubus“ werden.

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Archivfoto.
© Rudy De Moor

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Es gibt gleich mehrere Baustellen im so genannten Innsbrucker „Kulturquartier“ zwischen Universitätsstraße und Congress. Dass eine barrierefreie Begegnungszone entstehen wird, ist seit dem Sommer fix. Was mit Blutbuche und dem gläsernen Pavillon passieren soll, steht bis dato zur Debatte. Lösungen für eine Nutzung von Letzterem sollte zuletzt ein Ideenwettberwerb hervorbringen, entschied Bürgermeister Georg Willi (Grüne) vor inzwischen einem Monat. Gestern konnten Stadtsenatsfraktionen nun eigene oder von ihnen unterstützte Konzepte vorstellen. Eigentlich hatte der TVB den Pavillon zum „Alpine Hub“ umfunktionieren wollen – von Corona verunsichert, wurde das Vorhaben aber zurückgezogen.

Schlussendlich preschte gestern die Kultur mit einem ausgereiften Nutzungsprojekt vor. Unterstützt von Grünen, SPÖ und ALI präsentierte Severin Sonnewend sein Projekt „Kubus – space for arts“.

Sonnewend ist kein Unbekannter – zumindest für all jene, die zwischen Herbst 2019 und Sommer 2021 auch bemerkt hatten, dass der Pavillon keineswegs leer stand. Mit dem Zwischennutzungsprojekt „Reich für die Insel“ setzte er dort regelmäßig kulturelle Projekte um. Die öffentliche Hand förderte das Projekt mit 11.000 Euro. Rund 3000 BesucherInnen wurden in gut eineinhalb Jahren gezählt.

Mit seinem neuen „Kubus“ will Sonnewend das professionalisieren, was bei „Reich für die Insel“ schon funktioniert hat. Drei hauseigene Ausstellungen im Jahr soll es künftig hier geben. Außerdem soll der neue Projektraum als Plattform für die freie Szene dienen. Initiativen können sich in den Kubus temporär einmieten. Dafür braucht Sonnewend rund 100.000 Euro im Jahr. Finanziert mit Mitteln von Bund, Land und Stadt – Letztere wird mit 42.000 am stärksten zur Kasse gebeten. Mündliche Förderzusagen gebe es bereits, sagt der Projektinitiator.

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Außerdem müsste für Sonnewends Nachnutzungskonzept der Bau saniert werden. „Boden, Wände und Elektronik müssen neu gemacht werden“, sagt er. Trotzdem sei sein Sanierungsplan weniger kostspielig als im Falle einer gastronomischen Nachnutzung, rechnet Sonnewend vor.

Eine solche wird aber von mehreren Fraktionen favorisiert. Ausgesprochen hat das gestern GR Stefan Gleinser (NEOS): Mit einer Gastrolösung seien die 3000 Besuche binnen eines Monats möglich.

Einfach wird es für Sonnewends „Kubus“-Projekt also nicht. ÖVP, Für Innsbruck und FPÖ boykottierten die gestrige Ideenpräsentation. Und kritisierten damit die Vorgehensweise von Bürgermeister Willi. Der Vorwurf: Die Öffentlichkeit sei in die Entscheidungsfindung zu wenig eingebunden. Wenn BürgerInnen bei der Zukunft des Pavillons mitsprechen dürften, würden „ganz neue und vor allem gute Ideen“ auf den Tisch kommen, hieß es zuletzt in einer gemeinsamen Aussendung.

Für eine Mehrheit braucht Sonnewend neben seinen Unterstützern auch Zuspruch von jenen, die der Ideenpräsentation gestern fern blieben. Dass es in der Diskussion aber weniger um reale Konzepte denn um politische Machtspiele geht, darf angesichts der Pattsituation zumindest angenommen werden.


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