Novartis-Jubiläum mit riesigen Investitionen in die Zukunft

Vor 75 Jahren startete die Biochemie. In den nächsten Jahren könnte Novartis bis zu 1 Mrd. Euro in Kundl/Schaftenau fließen lassen.

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75 Jahre Zeitraffer: Im Bild die einstige Biochemie Kundl.
© Biochemie/Novartis

Von Alois Vahrner

Kundl, Schaftenau – Am 24. September 1946 begann die Biochemie auf dem Areal einer stillgelegten Brauerei in Kundl mit dem Know-how ehemaliger französischer Kriegsgegner sowie Kapital der Brau AG mit der Penicillin-Produktion. Damals musste Penicillin noch intravenös, also per Spritze, verabreicht werden. 1952 gelang dann den beiden jungen Forschern Ernst Brandl und Hans Margreiter eine echte Weltsensation – das erste säureresistente Penicillin (das Penicillin V, wobei das „V“ je nach Überlieferung für „Vertraulich“ oder „Victory“ stand), das nun erstmals via Tablette eingenommen werden konnte.

„Forschergeist, ständige Innovation, Mut, Durchhaltevermögen und auch etwas Glück“ zeichne das Unternehmen seit dem Start bis heute aus, sagt der Leiter der Novartis-Standorte Kundl/Schaftenau, Mario Riesner, zur TT. 1958 erfolgte der Start am zweiten Tiroler Standort Schaftenau, 1964 wurde die Biochemie von Sandoz übernommen (diese wurde dann 1996 mit Ciba Geigy zur Novartis fusioniert). Vor allem die Zulassung des ersten Biosimulars im Jahr 2006 habe weltweit Aufsehen erregt, so Riesner.

Hochmoderne Produktionsprozesse in Schaftenau.
© Biochemie/Novartis

Mit 4500 Beschäftigten sei Kundl/Schaftenau heute der größte Standort im gesamten Novartis-Konzernverbund und zudem auch der letzte verbliebene voll integrierte Hersteller oraler Antibiotika in der westlichen Welt, betont Riesner. Massiv entwickelt und ausgebaut wurde in den letzten Jahren die Erforschung und Produktion biotechnologisch hergestellter Arzneimittel. „Heute entwickeln und produzieren wir nicht nur Biosimilars, also Nachfolgeprodukte, sondern auch innovative, hochkomplexe Biologika.“ Diese sind laut Riesner oft die einzige Therapieoption zahlreicher Krankheitsbilder wie Krebs oder verschiedener Autoimmunerkrankungen.

Standort-Chef Mario Riesner ist optimistisch für die Zukunft.
© Biochemie/Novartis

2015 wurde der Standort Schaftenau mit der Eröffnung von „BioInject“ (einer hochmodernen Anlage zur Produktion von Fertigspritzen) zum vollintegrierten Biotechnologie-Standort. Noch heuer soll mit „BioFuture“ eine 150 Mio. Euro teure Anlage zur Herstellung therapeutischer Proteine „mithilfe kontinuierlicher hochflexibler Prozesstechnologien“ eröffnet werden. Große Zukunftschancen verspricht man sich auch in der Plasmid-Produktion, wo man „die Erfahrung in der Biotechnologie für die derzeitige Revolution zu neuen Produktklassen, wie etwa Zell- und Gentherapien oder mRNA-Impfstoffen, ausspielen kann“, sagt Riesner. Jährlich werden in Tirol mehr als 200 Mio. Medikamenten-Packungen für Patienten in über 130 Ländern weltweit hergestellt. Von einem „geschlossenen“ Campus wolle man sich zudem weiter zu einem Technologie- und Life-Science-Park entwickeln, BASF hat sich bereits angesiedelt.

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Riesner sieht sehr gute Aussichten für die Tiroler Standorte Kundl/Schaftenau. Das zeigten auch die weiter steigenden Beschäftigtenzahlen. Aktuell suche man mehr als 100 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In den kommenden Jahren stehen in Summe bis zu eine Mrd. Euro als Investition in Tirol im Raum. Beim Personal (dieses komme aus über 60 Ländern) setze man auf Diversität, so Riesner. Seit Corona können Mitarbeiter, so dies möglich ist, in Abstimmung bis zu 100 Prozent entscheiden, wie und wo sie arbeiten (Home-Office oder Büro). Gleich 14 Wochen bezahlte Elternzeit gibt es nach der Geburt eines Kindes (für beide Elternteile), aber auch Adoption oder eine Pflegeaufnahme.


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