Innsbrucker Forscher: Protein steuert Hungergefühl bei Fruchtfliegen

Wenn Fruchtfliegen das CHD1-Protein fehlt, fühlen sie sich immer satt und sie hören auf zu fressen. Ein Mangel dieses Proteins könne sich auch beim Menschen ähnlich auswirken, glauben Forscher der Med-Uni Innsbruck.

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Symbolbild.
© Virvoreanu Laurentiu/Pixabay

Innsbruck – Innsbrucker Forscherinnen und Forscher rund um die Molekularbiologin Alexandra Lusser haben in Experimenten an Fruchtfliegen erstmals die Wichtigkeit des Chromatin-Proteins CHD1 im Gehirn festgestellt. Fehlt es, wird die Aktivität von Genen, die Hunger und Sättigungsgefühl steuern, nicht mehr korrekt reguliert. Ein CHD1-Mangel könne sich auch beim Menschen ähnlich auswirken, berichtete die Medizinische Universität Innsbruck in einer Aussendung am Dienstag.

CHD1 komme, so die Forscher, in allen Organismen - von der Hefe bis zum Menschen - vor und erfülle "fundamentale Aufgaben". Im Gehirn sorge es dafür, dass während des Transkriptionsprozesses die Chromatin-Verpackung der DNA stabil bleibt.

Konkret bedeute das: Fruchtfliegen - sogenannten Drosophilia - fühlen sich immer satt, wenn in ihrem Gehirn das Protein CHD1 fehlt. Sie hören auf zu fressen und ihr Metabolismus weist starke Störungen auf. Darüber hinaus erhöhen sich kritische Entzündungsmarker und sie sterben bald. Ihre Lebenszeit von durchschnittlich 80 Tagen verkürzt sich auf ein Drittel, zitierte die Universität aktuelle Forschungsergebnisse, die kürzlich im Fachjournal "Cell Reports" publiziert wurden.

Möglicherweise auch beim Menschen

Lusser bezeichnete es als "vorstellbar", dass sich ein CHD1-Mangel beim Menschen ähnlich auswirken könnte, gab aber zu Bedenken: "Da es beim Menschen sieben CHD1-Untertypen gibt, deren Rollen und Zusammenwirken schwer einzugrenzen sind, ist der Prozess viel komplexer".

Für die Grundlagenforschung eignen sich unterdessen Fruchtfliegen, die seit mehr als hundert Jahren als Modellorganismus für die Genetik herangezogen werden. Denn 75 Prozent der Gene von Drosophila sind auch im Menschen vorhanden. Deshalb gibt es Fliegenmodelle unter anderem für Fragestellungen der Krebsforschung, Entwicklungsbiologie und Neurowissenschaften. Drosophilia sei "einfach genetisch zu manipulieren und es gibt unzählige Möglichkeiten sie molekularbiologisch zu untersuchen", so die Universität in ihrer Aussendung.

In einer vorangegangenen Studie hatte Lusser den entscheidenden Einfluss des CHD1-Proteins auf die Fruchtbarkeit der Drosophilia nachgewiesen. Im Zuge weiterer Forschung soll nun der Frage nachgegangen werden, ob die CHD1-Expression im normalen Alterungsprozess abnimmt, die Chromatinstruktur dadurch schlechter und das gesunde Altern beeinflusst wird. (APA)


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