Große schwarze Augen und ein anderer Blick auf die Welt

Die in Tirol aufgewachsene Hebamme Sandara Schimanek war für Ärzte ohne Grenzen sechs Monate lang in der irakischen Stadt Mossul.

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In der Geburtsklinik in Mossul arbeitete Sandara Schimanek (30) mit rund 40 anderen Hebammen zusammen.
© Peter Bräunig

Innsbruck, Mossul – Das Interesse, Menschen im Ausland zu helfen wurde Sandara Schimanek gewissermaßen in die Kinderschuhe gelegt. „Als ich elf war, ist mein Vater das erste Mal für Ärzte ohne Grenzen in den Auslandseinsatz gegangen“, erzählt die 30-jährige Hebamme. Bis 2010 sollten zahlreiche weitere Einsätze folgen. Sandara Schimanek verbrachte in Tirol den Großteil ihrer Kindheit, ihr Vater ist Orthopäde im Zillertal. Nach der Hebammenausbildung in Wien blieb sie in der Bundeshauptstadt und arbeitete bis 2020 in zwei Krankenhäusern in Wien. Der Wunsch, für Ärzte ohne Grenzen ins Ausland zu gehen, hatte sie aber nie losgelassen.

Im Vorjahr meldete sie sich schließlich bei Ärzte ohne Grenzen, wo sie für einen sechsmonatigen Einsatz in der irakischen Stadt Mossul vorgesehen wurde. Zweifel aufgrund der Sicherheitslage habe sie zu Beginn zwar gehabt, zahlreiche Gespräche und die Informationen über ihr künftiges Arbeitsumfeld hätten sie aber überzeugt, das Abenteuer zu wagen.

So ging es im Jänner für Sandara Schimanek nach Mossul, wo Ärzte ohne Grenzen in einem Randbezirk eine Geburtsklinik betreibt. Während die Ausstattung westlichen Standards entspricht, sind die Frauen, die kommen, um ihre Kinder dort auf die Welt zu bringen, oft in einem äußerst schlechten Zustand: Geschwächt von vielen Schwangerschaften und Geburten, Stress und Mangelernährung. Eine Begleitung während der Schwangerschaft sowie regelmäßige Kontrollen gibt es dort kaum. Auch das Vertrauen in die Gesundheitseinrichtungen ist oft nicht besonders groß, weshalb viele Frauen bereits wenige Stunden nach der Niederkunft die Geburtsklinik verlassen. „Die Frauen wollen nach der Geburt nicht wirklich im Krankenhaus bleiben. Sie fühlen sich zu Hause wohler“, so Sandara Schimanek.

Gemeinsam mit ihrem Team – 34 Hebammen und fünf Supervisor-Hebammen – organisierte und koordinierte sie die Abläufe in der Klinik. „Im Schnitt hatten wir acht Geburten pro Tag“, berichtet die 30-Jährige. Dabei kam es auch zu kritischen Situationen, in denen die Frauen dank der Betreuung durch die Hebammen doch noch ein gesundes Kind auf die Welt bringen konnten. „Wenn dieses Kind dann die Augen aufschlägt und mit riesigen schwarzen Augen die Welt anschaut – das ist so ein schönes Gefühl“, schwärmt die Hebamme. Für ihre Koleginnen vor Ort hat sie den größten Respekt: „Wenn man sieht, was sie dort tagtäglich leisten, dann habe ich das Gefühl, dass das, was ich mache, gar nichts ist“, so Schimanek.

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Infos und Spendenmöglichkeiten zu „Ärzte ohne Grenzen“ unter www.aerzte-ohne-grenzen.at (np)


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