Haydns Volksharfe gibt es gar nicht

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Otto Ehrenstrasser und Margaret Köll stellten bei der gestrigen Projektpräsentation ihr Können unter Beweis. Die Volksharfe von Ehrenstrasser stieß dabei auf die historische Harfe von Köll.
© Falk

Innsbruck – Die Konfrontation ist hier Programm. Wirklich die Fetzen fliegen werden beim Festival dennoch nicht. Margret Köll interessieren eher neue Erkenntnisse, die in der Auseinandersetzung zutage gefördert werden. Die Tirolerin ist eine der führenden Expertinnen für historische Harfe. Und ist damit international unterwegs: als Solistin oder im Ensemble, etwa mit Giardino Armonico oder den Tiroler Knoedeln.

Aus Kölls Plattform „Harfenlabor“ wächst nun ihr neues Projekt „Zwischen den Saiten“ hervor. Ab 11. November wird sie zum ersten „Harfenfest“ ins Haus der Musik laden. Gestern wurde das Projekt öffentlich präsentiert. Dabei wird Volksmusik auf klassische Musik treffen, Volks- auf historische Harfe. Impliziert wird diese Konfrontation bereits im ersten Festivalmotto „Haydn’s Folk Harp“, das für alle Nicht-ExpertInnen erst einmal erläutert werden muss: Eine Volksharfe spielte Haydns Virtuose Jean-Baptiste Krumpholtz im Orchester von Fürst Esterházy des 18. Jahrhunderts gar nicht. Haydns Volksharfe also bloß ein erfundenes Konzept. Um Fragen zu provozieren: Was unterscheidet die Volksversion eigentlich von der aristokratischen Einfachpedalharfe? Welche Gemeinsamkeiten gibt es?

Theoretisches wird beim Symposium geklärt, welches neben Konzerten ebenso Teil von Kölls Harfenfestivals sein wird. Fachliche Unterstützung kommt von Musikwissenschafter Thomas Nussbaumer (Mozarteum) und Musikkustos Franz Gratl (Tiroler Landesmuseen). Ein Roundtable wird etwa den Stellenwert der Volksharfe in der alpenländischen Musik abwägen. Man wolle sich dabei übrigens nicht nur einig sein, betont Köll. Es dürfe schon diskutiert werden.

Angesprochen fühlen sollen sich vom Programm nicht nur ExpertInnen, sondern generell Musikinteressierte. Für HarfinistInnen sei das Festival sowieso Pflicht, meint Volksmusiker Otto Ehrenstrasser bei der gestrigen Präsentation. Nicht nur er, sondern auch Gäste wie die schottische The Poker Club Band sowie Kölls Die Knoedel werden in vier Festivaltagen zu hören sein – Knoedel-Gründer Christoph Dienz zur Eröffnung außerdem mit einer Uraufführung, in Auftrag gegeben vom „Harfenlabor“. (bunt)

Zwischen den Saiten

11. bis 14. November im Haus der Musik. harfenlabor.com


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