Tiroler Händler wollen für Plastikpfand Entschädigung

Bis Plastikpfand und Mehrwegflaschen flächendeckend starten, dauert es noch Jahre, kritisieren Umweltschützer. Händler fordern Kostenersatz.

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In vier Jahren soll Plastikpfand flächendeckend eingeführt werden: aus Sicht von Umweltschützern viel zu spät.
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Innsbruck – Das Einwegpfand für Plastikflaschen und Getränkedosen hat gestern zwar den Ministerrat passiert, bis es aber tatsächlich kommt, dauert es noch einige Jahre. Das neue Abfallwirtschaftsgesetz sieht demnach vor, dass ab 2025 beim Kauf von Einweggetränkeverpackungen ein Pfand fällig wird, das die Kunden wieder zurückbekommen, sobald sie die Verpackung wieder zurückbringen.

Etwas früher, ab 2024, kehrt das verbindliche Mehrwegangebot schrittweise in die Geschäfte zurück. Ab dann soll es wieder in allen Supermärkten wiederbefüllbare Flaschen geben. „Ab 2024 wird es in allen Geschäften und auch in allen Kategorien wieder Produkte in Mehrweg geben. Nicht nur beim Bier, sondern auch bei Säften, Mineralwasser oder Milch“, sagte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne). Die Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes muss nun noch im Parlament behandelt werden.

📽️ Video | Einwegpfand für Plastikflaschen und Dosen passierte Ministerrat

Die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Global 2000 begrüßten den Pfand-Beschluss, sahen aber doch Mängel in der Novelle. Für Greenpeace blieb die „Kompromisslösung“ etwa „deutlich hinter den Erwartungen und den notwendigen Maßnahmen für eine Reduktion der Verpackungsflut zurück“. Die Maßnahmen würden mit dem Jahr 2025 nicht nur zu spät kommen, auch die Mehrwegquote sei aufgrund zahlreicher Ausnahmen, etwa für antialkoholische Getränke bis 0,5 Liter, deutlich zu niedrig.

Entschädigung gefordert

Der Tiroler Lebensmittelhandel sieht kleinere Nahversorger im Nachteil und fordert Entschädigungen. „Während die großen Handelsketten das Einwegpfand in bewährter Weise umsetzen werden, drohen insbesondere kleineren Nahversorgern durch die Einführung massive Mehrbelastungen und Wettbewerbsnachteile“, glaubt Stefan Mair, der Obmann des Tiroler Lebensmittelhandels. Daher, meint Mair, müsse gesetzlich garantiert werden, dass insbesondere kleinen und mittelgroßen Händlern in der Abwicklung des Einwegpfandes keine zusätzlichen Kosten entstehen. Außerdem müssten Betriebe für notwendige Investitionen, etwa in Rücknahmeautomaten, sowie für den Aufwand der Pfandabwicklung entschädigt werden, so Mair. Auch brauche es Möglichkeiten, die leeren Gebinde außerhalb des Lebensmittelhandels zurückgeben zu können, etwa mittels digitalem Aufrüsten von gelben Tonnen oder Sammelstellen.

Der Einführung des Pfandes ging eine jahrelange Diskussion voraus. Zuletzt sprachen sich auch die meisten Supermärkte und Diskonter dafür aus. Jedes Jahr fallen in Österreich über 900.000 Tonnen Plastikmüll an. Rund 50.000 Tonnen davon sind nur Getränkeverpackungen. Das sind beinahe 2,5 Milliarden Flaschen und Dosen, die oft in der Natur landen. (TT, APA)


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