Vertrauen zwischen London und Paris laut Expertin „sehr, sehr gering"

Politikwissenschafterin Georgina Wright kann sich nicht erinnern, dass die Beziehungen je so schlecht waren. Der Brexit und verschiedene Streitigkeiten erschütterten das Verhältnis.

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Persönlich verstehen sich der französische Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Boris Johnson gut. Diplomatisch sieht die Sache wohl etwas anders aus.
© Ludovic MARIN/AFP

London, Paris – Das Verhältnis zwischen Frankreich und Großbritannien ist durch den Brexit und verschiedene Streitigkeiten nach Ansicht einer Expertin schwer erschüttert. "Das Vertrauen ist sehr, sehr gering", sagte die britische Politikwissenschafterin Georgina Wright vom Pariser Institut Montaigne der Deutschen Presse-Agentur. "Frankreich misstraut dem Vereinigten Königreich nicht nur, sondern es hält das Land auch nicht für besonders vertrauenswürdig."

Zwar scheine es so, dass der französische Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Boris Johnson persönlich gut miteinander klar kommen, sagte die Expertin. "Aber das reicht nicht aus in diplomatischen und erst recht in bilateralen Beziehungen." Vielmehr hätten öffentliche Aussagen etwa von Johnson auf britischer Seite und des Macron-Vertrauten Clément Beaune auf französischer die Zusammenarbeit belastet, sagte Wright. "Ich kann mich nicht erinnern, dass die Beziehungen so schlecht waren."

Es habe die Bereitschaft gegeben, die französisch-britischen Beziehungen, die vor allem auf Verteidigung und Sicherheit ausgelegt seien und deshalb oft auch außerhalb der EU gespielt hätten, vom Brexit zu trennen. Doch die Verhandlungen über den britischen EU-Austritt seien "so politisiert, so vergiftet" gewesen, dass sie sich auf die bilateralen Beziehungen ausgewirkt hätten.

Zwischen den Nato-Verbündeten gibt es auch jenseits der frischen Brexit-Debatten mehrere Streitpunkte. So kritisiert Paris, dass französischen Fischern nicht oder nur schleppend Lizenzen für die Gewässer rund um die Kanalinsel Jersey gewährt werden und drohte seinerseits damit, Energielieferungen zu stoppen.

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London wirft Paris vor, nicht genügend zu tun, um illegale Migration über den Ärmelkanal zu stoppen. Zuletzt vereinbarte Großbritannien gemeinsam mit den USA und Australien einen Atom-U-Boot-Deal, durch den ein Milliardengeschäft zwischen Frankreich und Australien platzte.

Großbritannien sei ähnlich von Frankreich besessen, ohne dass diese Haltung auf Erwiderung stoße, wie Frankreich von Deutschland, sagte Wright. "Sich über die Franzosen lustig zu machen, gehörte schon immer auf humoristische Weise zur politischen Debatte in Großbritannien. Doch wegen des Brexits, wegen Macrons vermeintlich harter Haltung und weil es in einigen wirklich wichtigen Bereichen bilaterale Spannungen gibt, etwa bei Fischerei und Migration, wird es viel schwieriger." (APA/dpa)


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