Alpenverein Österreich setzt fürs Ehrenamt auf kurzfristige Einsätze

„Mikrovolunteering" als neuer Trend: Freiwillige leisten pro Jahr 1,5 Millionen Arbeitsstunden. Personalkosten von über 34 Millionen Euro werden damit erspart.

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Der Alpenverein setzt vermehrt auf kurzfristige Einsätze für seine Ehrenamtler.
© Jeannine Hieger

Villach – Der Alpenverein Österreich wird in Zukunft für seine Ehrenamtler vermehrt auf kurzfristige Einsätze ohne langfristige Bindung setzen. Das sogenannte "Mikrovolunteering" werde immer beliebter, so der Verein in einer Aussendung. Die Menschen suchten vermehrt eine Pause von der digitalen Welt. Der direkte, persönliche - analoge - Austausch motiviere die Freiwilligen. Diese leisten pro Jahr rund 1,5 Millionen Arbeitsstunden.

Was es bedeuten würde, die 1,5 Millionen Arbeitsstunden nicht von Freiwilligen übernehmen zu lassen, rechnete Präsident Andreas Ermacora bei einer Pressekonferenz am Freitag in Villach vor: "Dies käme einer Anstellung von 850 Vollbeschäftigten mit Personalkosten in der Höhe von über 34 Millionen Euro gleich." Daher gilt: Ohne Ehrenamt kein Alpenverein. Die Stunden verteilen sich auf gut 10.000 Freiwillige und rund 15.000 Funktionäre.

"Mikrovolunteering" ließe sich zum Beispiel bei einwöchigen "Umweltbaustellen" und "Bergwaldprojekten" realisieren, dort sei der Andrang von Jahr zu Jahr groß. "Die Menschen sind durchaus bereit, sich freiwillig einzubringen. Die herkömmlichen Rahmenbedingungen müssen jedoch aufgrund des gesellschaftlichen Wandels an die neuen Lebensstrukturen angepasst werden, um den Einsatz für das Allgemeinwohl überhaupt möglich zu machen", erläuterte Ingo Stefan, der auf der "Alpenverein-Akademie" Weiterbildungen anbietet.

Problem sei generell die zunehmende Bürokratie, sagte Ermacora. Dort werden Freiräume im Bereich des Ehrenamts eingeschränkt. Besonders für Freiwillige im Bereich Hütten und Wege mache sich das bemerkbar. Gerade hier sei es schwierig, Ehrenamtliche zu finden. Die Verantwortung sei größer als in anderen Bereichen, wegen einer zunehmenden "Verrechtlichung", so Ermacora. "Ehrenamtliche müssen fachliche Qualifikationen mitbringen, außerdem ist eine längerfristige Bindung meist Voraussetzung." (APA)

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