Feurige Romantik beim Tiroler Symphonieorchester Innsbruck

Gast-Dirigentin Oksana Lyniv führt das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck in die nächste Dimension.

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Bewunderung, die ganz auf Gegenseitigkeit beruht. Dirigentin Oksana Lyniv und Klaviersolist Denis Kozhukhin im Congress.
© Chó/www.wefeel.art

Innsbruck – Ein professionelles Klangformat wie das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck alias TSOI kann gewiss auch vor leerem Dirigentenpult eine passable Figur abgeben. Fragen zum beliebten Thema „Was kann so ein Dirigent bzw. eine Dirigentin eigentlich bewirken?“ sind seit Donnerstagabend jedoch restlos geklärt. Die Ukrainerin Oksana Lyniv, aufgehender Stern am Takt gebenden Firmament, entlockt dem TSOI letzte Reserven. So feurig, hingebungs- und temperamentvoll hat man das hiesige Orchester wohl noch selten bei der Arbeit erlebt.

Mit ordentlich Zunder geht es gleich hinein in Johannes Brahms’ Variationen eines Themas, das Joseph Haydn zugeschrieben wird. Schon da wird Lynivs Handschrift deutlich. Mit großen, einladenden Gesten gibt sie Einsätze, fährt beim Fortissimo mit Nachdruck die Ellbogen aus, geht förmlich in die Knie, wenn es feingliedrig und gefühlvoll klingen soll. Den SolistInnen verschafft sie den nötigen Raum. Klarinette, Oboe, Flöte und sonstiges Blasgerät kommen bestens zur Entfaltung. Das Orchester trägt und begleitet.

Die Stimmung ist ideal aufbereitet, um nicht zu sagen angeheizt, für den furiosen Auftritt von Klaviersolist Denis Kozhukhin. Unter Aufbietung all seiner musikalischen Künste und Kräfte arbeitet sich der Russe an Franz Liszts „Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1“ ab. Ein stellenweise experimentell und improvisiert wirkendes Stück der Romantik, weit seiner Zeit voraus. Bei den Zugaben, ein Bach-Präludium sowie Edvard Griegs „Arietta“, zeigt der Klaviervirtuose seine gefühlvolle, introvertierte Seite.

Musik von Antonín Dvorˇák regiert im zweiten Teil des Konzerts: zuerst Dvorˇáks Symphonie Nr. 8, vom Orchester berauschend schön verabreicht, und schließlich, herzhaft und stürmisch übermittelt, der „Slawische Tanz Nr. 8“ als Zugabe.

Das TSOI wird zum Abschied oft beklatscht, höflich und respektvoll. An diesem Abend, mit Oksana Lyniv am Pult, ist der Saal schier aus dem Häuschen. (mark)


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