Gernot Grömer: „Luft nach oben“ bei Österreichs Weltall-Strategie

Weltraum-Experte Gernot Grömer glaubt nicht, dass bald ein Österreicher an Bord einer Rakete sitzt. Dafür hebt demnächst der erste Tiroler Satellit ab.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion
Gernot Grömer (Direktor Österreichisches Weltraum Forum): „Dass wir in Innsbruck an Schrauben gedreht haben, die bald mit 25.000 km/h über uns fliegen, das hat was.“
© Rita Falk / Tiroler Tageszeitung

Innsbruck – Gernot Grömer konnte den Sand der Negev-Wüste, die dem Mars zum Verwechseln ähnlich sieht, noch gar nicht richtig abschütteln. Nach seiner Rückkehr aus Israel berichtete er gestern im „Tirol Live“-Studio von einer außergewöhnlichen Mission. Der Gründer des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF) hat aktuell in Israel ein Team von ca. 200 Forschern versammelt, um Erkenntnisse für zukünftige Mars-Reisen zu gewinnen. „In 20 bis 30 Jahren werden wir eine reale Expedition haben. Am Mars können 1000 Dinge schiefgehen, also muss man trainieren, trainieren, trainieren. So kann man Probleme vorwegnehmen, die man dort haben könnte“, erklärte er die Notwendigkeit einer Analog-Mission.

📽️ Video | Gernot Grömer in „Tirol Live“

Astronaut „spielen“ und Astronaut sein sind jedoch zwei Paar Schuhe. Der nächste Franz Viehböck, der vor 30 Jahren als erster und bislang einziger Österreicher in den Weltraum flog, ist allerdings nicht in Sicht. „Leider Gottes hat man als Österreicher, ganz egal wie qualifiziert man ist, aufgrund der aktuellen Nicht-Priorität des Klimaministeriums keine Chance, Astronaut zu werden.“ Grömer sprach bei diesem Punkt die neue heimische Weltraumstrategie an, die vor wenigen Monaten vom Klimaministerium ausgegeben worden war.

Nicht nur, dass die bemannte Raumfahrt gar nicht darin vorkäme, „auch die Bedürfnisse der österreichischen Raumfahrtindustrie sind nicht wirklich gut abgebildet. Da ist noch Luft nach oben“, sagte der ÖWF-Direktor. Denn derzeit machen einige Österreicher im Ausland Karrieren und bauen große Unternehmen auf, die man auch hierzulande haben hätte können, so Grömer. „Aber das Umfeld war dafür nicht bereit.“

In Eigen-Regie und dank privater Sponsoren hat das ÖWF nach der Analog-Mission in Israel bereits den nächsten Höhepunkt vor Augen. Am 1. Dezember soll von Kalifornien aus der erste Tiroler Satellit und der insgesamt vierte aus Österreich abheben, um in 500 Kilometern Höhe nach Weltraumschrott suchen. Grömers Vorfreude auf den Start von „Adler-1“ war bei „Tirol Live“ zu spüren: „Zu wissen, dass wir in Innsbruck an Schrauben gedreht haben, die bald mit 25.000 km/h über uns fliegen, das hat schon was.“ (chris)


Kommentieren


Schlagworte