Innsbrucker Abendmusik: Mit Bach weihnachtet es das ganze Jahr

Zum 20. Geburtstag verschenkt die Innsbrucker Abendmusik Humorvolles und Freudvolles.

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Bach-Abend mit dem Concerto Stella Matutina in der Hofburg.
© Abendmusik

Von Markus Schramek

Innsbruck – Johann Sebastian Bachs viel gespielte Kirchenkantaten jagen selbst hartgesottenen Zeitgenossen Schauer der Rührung über den Rücken, spätestens im Dezember, wenn Bachs „Weihnachtsoratorium“ mit seinen freudvollen Arien und Chorälen Herzen und Augen zum Leuchten bringt. Weniger bekannt ist, dass der barocke Meisterkomponist auch über eine humorvolle, schelmische Ader verfügte. Das zeigen Bachs weltliche Kantaten, zur Unterhaltung oder zu größeren Ehren einer Durchlaucht verfasst.

Daher: Bach im Konzert zu hören und dabei vor Amüsement vor sich hin zu glucksen, ist durchaus möglich, kein Stilbruch und weiland vom großen Meister wohl genau so erwünscht.

Eine gehörige Portion „Spaß mit Bach“ bietet der vergangene Samstag in der Hofburg. Der Verein Innsbrucker Abendmusik feiert sein 20-Jahr-Jubiläum, ein Jahr verspätet, weil ... eh schon wissen. Abendmusik-Chef Peter Waldner bietet zwei weltliche Bachkantaten auf – und dies in Top-Besetzung: das Vorarlberger Barockorchester Concerto Stella Matutina mit Alfredo Bernardini als Dirigent und Oboist in Personalunion, flankiert von einer handverlesenen Schar von GesangssolistInnen. Pauschal kann man nur sagen: Hut ab! Sogar die gar nicht so einfache Akustik im Riesensaal bekommen die Ausführenden in den Griff.

Die sängerische Runde beweist bei der Kantate „Geschwinde, ihr wirbelnden Winde“ auch schauspielerisch Talent. Der musikalische Wettstreit zwischen dem übermütigen Hirtengott Pan und Phoebus-Apollo, dem Gott der Künste, wird mit viel Spielwitz aus- und vorgetragen. Die Bassbaritone Matthias Helm (Phoebus) und Dominik Wörner (Pan) liefern sich ein unterhaltsames Match: einfach gestrickt (Pan) versus hohe Kunst (Phoebus).

In Teil 2 das Abends weihnachtet es schon sehr. Die Kantate „Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten“ hat Bach 1733 für den Geburtstag von Maria Josepha, der Kurfürstin von Sachsen, geschrieben. Weil darin unfassbar schöne Arien verpackt sind, holt Bach diese im Jahr darauf für das „Weihnachtsoratorium“ wieder aus der Schublade. Aus „Tönet, ihr Pauken!“ wird „Jauchzet, frohlocket!“, aus „Kron und Preis gekrönter Damen“ wird „Großer Herr, o starker König“. Ein Song-Recycling der edelsten Form.


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