„Romy Schneider" im Landestheater: Vorprogrammierter nächster Erfolg

Im Tanzstück „Romy Schneider“ setzt Enrique Gasa Valga auf bewährte Kunstgriffe, eine zweigeteilte Hauptrolle und die neue Technik im Saal.

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Verletzt und verlassen. Romy (Camilla Danesi) und ihr Schatten (Addison Ector). Alain Delon (Gabriel Marseglia) sucht das Weite.
© Birgit Gufler

Von Markus Schramek

Innsbruck – Der Vorhang ist noch gar nicht ganz gefallen, und schon brandet lautstark Jubel auf. Wir befinden uns im Tiroler Landestheater, vorgestern Sonntag knapp nach 21 Uhr, und eine (Erfolgs-)Story ist um ein Kapitel reicher. „Romy Schneider“, das neue Tanzstück von Enrique Gasa Valga (Choreografie und Regie), ist soeben erstmals über die Bühne gegangen, die Fans liegen dem charmanten Spanier fast schon reflexartig zu Füßen bzw. sie spenden ihm und seiner Tanzcompany stehend Beifall. Der Chef, auf die Bühne geeilt, ballt seine Faust wie ein Fußballer, der seine Mannschaft zum WM-Titel geschossen hat.

Gasa Valga und Innsbruck, das ist eine Paarung, die auch nach zwölf Jahren nicht genug voneinander kriegen kann. Das Publikum bekommt vom Tanzdirektor exakt das, was es will: eine abendfüllende Show, aufwändig produziert, zirkulierend um einen Promi vergangener Tage. Trakl, Beethoven und Co. waren schon an der Reihe; jetzt, auf Anregung von Gasa Valgas Mutter, ist es Schauspielikone Romy Schneider (1938–1982). Deren rasantes, vermeintlich schillerndes, letztlich aber todtrauriges Leben ist wie geschaffen für einen Abend der getanzten Emotionen.

Das Große Haus ist frisch saniert, technisch nun state of the art, und das merkt man vor allem akustisch. Die neue Lautsprecheranlage liefert Kinosound. Die getanzte Musik beschallt die Ränge astrein, ein schmachtender Mix aus u. a. Willy DeVille, Hildegard Knef und dem – für Erotik auf Knopfdruck offenbar unverzichtbaren – L’amour-Hatscher „Je t’aime“. Videoeinspielungen mit Aufnahmen der echten Romy wirken bestens integriert und nicht wie ein bemühter Fremdkörper.

Die Bühne (Helfried Lauckner) ähnelt einem Käfig mit bedrohlich sich senkendem Dach, seitlich offen aber immerhin, ist doch Romy stets auf der Flucht, aus Angst schauspielerisch für immer als herzallerliebste Jung-Kaiserin Sissi dahindümpeln zu müssen. Die Kostüme (Birgit Edelbauer-Heiss) sind eine Augenweide, immens vielfältig. Szenenwechsel bedeutet oft auch eine neue Schale.

Die Hauptrolle und somit den Fokus auf mehrere Schulterpaare zu verteilen, hat bei Gasa Valga System (siehe die beiden „Frida Kahlo“-Tanzstücke). Dieser Kniff funktioniert nun ein weiteres Mal: Camilla Danesi als Romy und Addison Ector als ihr tanzbarer Schatten ergänzen einander blendend. Hier die fragile, sensible Romy, dort der wirbelnde Schatten als Ausdruck des Aufbegehrens. Da ist es nur gerecht, dass beide Darsteller am Ende gleichermaßen gefeiert werden.

Positiv fällt auf, dass diesmal mehr getanzt als akrobatisch geturnt wird. Alain Delon (in Gestalt von Gabriel Marseglia) umgarnt Romy Camilla Danesi in einem sehenswerten, sinnlichen Pas de deux. Das Ensemble erntet mit einer furiosen Einlage zu Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ verdient Szenenapplaus.

Dramaturgisch wird es stellenweise recht simpel und plakativ. Eine Hakenkreuzfahne zischt von oben herab – ein Hinweis auf die Nähe von Romys Mutter zum Regime. Das verhasste Sissi-Kleidchen wird abgefackelt und eine betrogene Frau (jene von Romys späterem ersten Ehemann) an den Beinen von der Bühne gezogen. Na ja.

Doch was soll’s. Das Ensemble geht mit Feuereifer zu Werke und taucht am Ende knietief ein in den quasi vorprogrammierten Jubel.


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