AK-Präsident Zangerl bei „Tirol Live": Ja, zu 3G-Regel, Nein zu Impfzwang

Tirols AK-Präsident Erwin Zangerl gegen Spaltung, Kanzler-Comeback von Sebastian Kurz „unvorstellbar“.

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AK-Präsident Erwin Zangerl (rechts) im „Tirol Live“-Studio mit TT-Chefredakteur Alois Vahrner.
© Rita Falk

Innsbruck – Corona und die ÖVP-Turbulenzen standen im Zentrum des gestrigen Interviews mit AK-Chef Erwin Zangerl im „Tirol Live“-Studio. Zu verschiedenen Covid-Maßnahmen hat Zangerl eine durchaus differenzierte Sicht. Leider seien viele Vorschriften unübersichtlich und teilweise auch widersprüchlich. Hier sei die Politik ebenso gefordert wie in der Aufgabe, die Kluft zwischen der Mehrheit der Geimpften und der kleineren Gruppe der Ungeimpften zu überbrücken.

Daher gehe es um „einen Mittelweg und gelindeste Maßnahmen“ wie eine 3G-Regel auch am Arbeitsplatz, die aber weiterhin von kostenlosen Tests (auch PCR), fünf Tagen Gültigkeit von PCR-Tests sowie einem dichten Testangebot begleitet sein müssten. Zangerl ist strikt gegen eine generelle Impfpflicht: „Das wäre mit Sicherheit kontraproduktiv und der schlechteste Weg.“ Dass ungeimpfte Beschäftigte wie in einigen Ländern nicht arbeiten dürfen und nicht mehr bezahlt werden, kann sich Zangerl auch nicht vorstellen. Für bestimmte Berufe wie im Gesundheits- oder Pflegebereich hätte der Bund aber schon länger die Möglichkeit, eine Impfung durchzusetzen.

Zangerl verwies auf einen mit 1. September von den Sozialpartnern fixierten neuen Generalkollektivvertrag, wonach Beschäftigte mit 3G-Bestätigung keine Maske tragen müssen, so dies sonst angeordnet wäre. In diesem Fall können die Firmen den 3G-Nachweis verlangen. Wenn wie in Supermärkten Maskenpflicht herrscht, müssen die Beschäftigten alle drei Stunden eine zehnminütige Maskenpause bekommen.

📽️ Video | Erwin Zangerl in „Tirol Live“

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Zur ÖVP-Chataffäre meinte Zangerl, dass es aus seiner Sicht keine Rückkehr von Kurz ins Kanzleramt geben dürfe. „Das ist unmöglich.“ Kurz – „Er glaubt bis heute nicht, dass ich ÖVP-Mitglied bin“ – solle auch als Klubobmann gehen. Die Menschen seien über die Vorgänge auch zum Schaden der Demokratie verstört, da sei „unglaublich viel zum Schaden der Politik passiert“.

Die ÖVP-Ethikkommission hätte aus Sicht des AK-Präsidenten statt leiser Kritik und beschwichtigender Worte prüfen müssen, wer bei der einstigen türkisen Machtübernahme und der Ablöse von Reinhold Mitterlehner durch Kurz dabei war, wer hier von außen mitfinanziert habe und was im Gegenzug versprochen worden sei. Zu den Chats meinte Zangerl „Wie der Schelm denkt, so schreibt er.“

Durch die Nichtabschaffung der kalten Progression bei der Steuer sei den Beschäftigten ein Betrag von über 2 Mrd. Euro genommen worden, ein Riesenschaden sei auch durch die Verhinderung der Nachmittagsbetreuung entstanden.

In der ÖVP habe zuletzt mit Kurz nur noch einer den Takt vorgegeben. Die VP müsse wieder „Volkspartei werden und in die Mitte rücken“. (TT)


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