Nordkorea schießt sich mit neuem Waffentest zurück auf die Agenda

Das verbotene Atom- und Raketenprogramm macht Fortschritte. Indessen könnten laut UNO Kinder und Ältere an Hunger sterben.

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Leben mit der Bedrohung: nordkoreanischer Raketentest im südkoreanischen Fernsehen.
© AFP/Wallace

Pjöngjang – Nordkorea hat eine weitere ballistische Rakete getestet. Nach Angaben aus Südkorea und Japan wurde sie vom Meer aus abgeschossen, möglicherweise von einem U-Boot. UNO-Resolutionen verbieten Nordkorea den Test von ballistischen Raketen, die theoretisch auch mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden können.

Der Zeitpunkt für den Test war wohl kein Zufall. Zur gleichen Zeit hatte Südkoreas Geheimdienstchef seine Kollegen aus den USA und Japan geladen. Das Treffen fand am Rande der Internationalen Luftfahrt- und Verteidigungsmesse (ADEX) in Seoul statt.

Die Nachbarn zeigten sich alarmiert. Japans Premier Fumio Kishida unterbrach eine Wahlkampfreise und ordnete an, die wachsende Bedrohung aus Nordkorea in die nationale Sicherheitsstrategie einzuarbeiten, wie der US-Sender NPR berichtete.

In Südkorea äußerte der Nationale Sicherheitsrat „tiefes Bedauern“ über den Raketentest inmitten von Bemühungen, die Diplomatie wieder in Gang zu bringen. Wenige Stunden vor dem Test hatte der amerikanische Sonderbeauftragte für Nordkorea, Sung Kim, die Bereitschaft der USA zum Dialog ohne Vorbedingungen bekräftigt. Die Gespräche liegen seit zwei Jahren auf Eis.

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Nordkorea hat immer wieder versucht, sich durch Atom- oder Raketentests international ins Gespräch zu bringen und zugleich seine Verhandlungsmasse zu vergrößern. Zugleich soll laut Experten Südkorea dazu gebracht werden, von den USA Zugeständnisse zu erwirken.

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI schätzt, dass Nordkorea 40 bis 50 Atomsprengköpfe bauen oder gebaut haben könnte. Experten gehen allerdings davon aus, dass das Land noch länger nicht in der Lage sein wird, Nuklearwaffen von U-Booten abzuschießen.

Während das Regime aufrüstet, darbt die Bevölkerung. Nach UNO-Angaben herrscht in Nordkorea eine akute Hungersnot. Den „verletzlichsten Kinder und älteren Leuten“ drohe der Hungertod, warnte der UNO-Sonderberichterstatter für Menschenrechtsfragen, Tomas Ojea Quintana, erst vorige Woche. Er schlug deshalb vor, die wegen des Atomprogramms verhängten UNO-Sanktionen zu überarbeiten und humanitäre Hilfe zu erleichtern. (floo, dpa)


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