Parallelslalom mit HC: Andreas Lust spielt Ex-FPÖ-Chef Strache

Am Donnerstag startet bei Sky der Vierteiler „Die Ibiza Affäre“. Andreas Lust verkörpert darin den einstigen FPÖ-Chef Strache. Der Schauspieler im Porträt.

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Andreas Lust als HC Strache in „Die Ibiza Affäre“.
© W&B TV/Sky

Innsbruck – Wenn Andreas Lust Ausschnitte aus dem Ibiza-Video sieht, kann er nicht nur mitsprechen. Er muss es. „Ich fange ganz automatisch damit an. Ich kann gar nicht anders“, sagt er. Lust hat für den neuen Sky-Vierteiler „Die Ibiza Affäre“ H. C. Strache gespielt – und sich intensiv darauf vorbereitet. „Ich hab’ mir alles angeschaut, was zu kriegen war: Strache bei öffentlichen Auftritten, HC in halbprivaten Situationen. Davor habe ich ihn nur als Politiker wahrgenommen – für die Serie musste ich ihn auch als Privatperson begreifen. Ich habe mich mit seinem Lebenslauf beschäftigt und studiert, wie er wurde, was er ist“, sagt Lust.

Der 54-Jährige, der 2005 in „Figaro lässt sich scheiden“ am Tiroler Landestheater zu erleben war, zählt seit Jahren zu den gefragtesten Film- und Fernsehschauspielern des Landes. Er veredelte Serien wie „Schnell ermittelt“ – und versteht sich auf schwierige Charaktere. In Götz Spielmanns Oscar-nominiertem Drama „Revanche“ spielte er einen traumatisierten Polizisten. Als marathonlaufender Bankräuber gewann er für „Der Räuber“ den Österreichischen Filmpreis. Auch damals gab es ein reales Vorbild für die Rolle.

Die Arbeit an „Die Ibiza Affäre“ sei trotzdem besonders gewesen, sagt Lust. „Es ist selten, dass man an und mit Situationen arbeitet, die sich bis ins Heute weiterschreiben. ‚Ibiza‘ ist der Anfang von dem, was in Österreich gerade passiert.“ Mit der Veröffentlichung des Videos habe die Demontage der gegenwärtigen Politikerkaste begonnen. Davon ist Andreas Lust überzeugt. „Das Bild der Politik zerbröselt gerade. Manches mag man vermutet haben, plötzlich gab es Bildmaterial. Das wirkt ganz anders als das Transkript einer Hinterzimmermauschelei.“

Die Serie gehe aber über den Fall Strache hinaus, sagt Andreas Lust. „Der Anspruch des Projektes ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der politische Sumpf viel größer ist als ein feuchtfröhlicher, vom eigenen Selbstbewusstsein und dem Gefühl, unantastbar zu sein, aufgeblasener Abend.“ Die jüngsten Ereignisse hätten das bestätigt. Trotzdem mussten jene Passagen aus dem Video, die in der Serie vorkommen, passen. Zwei Wochen lang hat das Ensemble die Choreografie des folgenreichen Abends an Originalschauplätzen einstudiert. Aufrichten, abaschen, nachschenken, zurücklehnen – jede Regung wurde mit dem Video abgeglichen. „Ein Parallelslalom mit HC“, sagt Lust. Das sei lustig gewesen. Die schauspielerische Herausforderung lag woanders. Bewegungen nachstellen sei das eine, „man muss sie aber auch emotional füllen: Ich asche nicht ab, weil Strache auf Ibiza abgeascht hat, sondern weil meine Figur in der Situation abaschen muss“, sagt Lust.

Verordnet habe er sich dabei nicht nur Präzision, sondern auch Zurückhaltung. „Wir wollten nicht übertreiben. Wir sind keine Karikaturisten – und wollten nichts und niemanden parodieren“, sagt er. Das komödiantische Potenzial der Geschichte stehe trotzdem außer Frage. Den echten Strache hat Andreas Lust bisher noch nie getroffen. „Ich glaube nicht, dass er mir etwas erzählt hätte, das mir wirklich geholfen hätte“, sagt Lust. Inzwischen gäbe es wenigstens Themen für etwas Smalltalk. Straches Lieblings-Handyspiel „Chlash of Clanes“ zum Beispiel. Auch damit hat Lust als Vorbereitung auf die Rolle begonnen. „Aktuell stehe ich auf Level 12.“ (jole)


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