Klangforum Wien in Hall: Musikalische Meditation über den Tod

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Konzert mit performativer Note: Das Klangforum Wien gastierte im Salzlager in Hall.
© Malyshev

Hall i. T. – Immer wieder holen die Bläser tief Luft, so als ob der ganz große Einsatz gleich bevorstünde. Das Publikum macht sich bereit. Doch der Ton bleibt aus. Es sind die geräuschhaften Ereignisse, bevor der Ton erklingt, die Gérard Grisey interessieren. Nicht nur, aber auch. In „Quatre chants pour franchir le seuil“ („Vier Gesänge, um die Schwelle zu überschreiten“) jedenfalls hat sie der französische Komponist und Mitgründer der Spektralmusik ins Zentrum gestellt. Es ist das letzte Stück, das Grisey vor seinem überraschenden Tod 1998 schrieb.

Seinen klanglichen Forschungen widmete die Reihe musik+ am vergangenen Mittwoch einen ganzen Abend. Und lud sich dafür das renommierte Klangforum Wien unter der Leitung des Schweizers Baldur Brönnimann ein. Ergänzen wollte man das Porträt zu Grisey außerdem mit einer Uraufführung von Georges Aperghis’ „Tag ohne Nacht“ – aufgrund einer Erkrankung musste dieser Teil allerdings ausfallen. Die Uraufführung soll aber nachgeholt werden.

Als Gegenpart zu Grisey blieb also noch „To my stars“ der polnischen Komponistin Zaneta Rydzewska, eine Reise ins Weltall. Und zurück, ist das Konzept des Stücks doch von Stanisław Lems „Rückkehr von den Sternen“ (1961) inspiriert. Dort hat sich die Welt in einen hochtechnisierten Optimierungsstaat verwandelt. Im Salzlager tritt dafür ein geteiltes Ensemble, die Gruppe der „Astronauten“ gegen die Gruppe der „Erdbewohner“, an. Die Grundstimmung ist eine bedrohlich technoide – Bläser etwa mutieren irgendwann zu Radargeräten.

Es ist auch die performative Note, die diesen Abend der Neuen Musik bemerkenswert macht. Am Schluss, wieder bei Grisey angelangt, prallt der Sopran (eine höchst präzise Sophia Burgos) auf das Ensemble. Statt Sci-Fi taucht man jetzt in eine düstere musikalische Meditation über den Tod ein. Ein klangliches Erlebnis! (bunt)

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